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17. Juni 2009 3 17 /06 /Juni /2009 20:19
Samstag 13. Juni.
Mercys zweite Operation war erfolgreich. Sie kann die Finger wieder benutzen. Nun sind Physiotherapie und Übungen angesagt. Seit ein paar Tagen sind wir mit dem Herstellen von Batikstoffen beschäftigt. Mercy hat beim Materialeinkauf einen Mann kennengelernt der Batiken macht. Er nennt sich "Holly Ghost". Er bringt uns auf den neusten Stand. 
Wikipedia sagt: Batik ist ein ursprünglich aus Indonesien stammendes Textilfärbeverfahren, bei dem Muster und Verzierungen in Handarbeit mit flüssigem Wachs mit einem als Tjanting bezeichneten Werkzeug auf das Gewebe (Baumwolle, Leinen, Seide, etc.) aufgezeichnet und somit abgedeckt werden, und daher bei dem darauf folgenden Färben des Stoffes im Farbbad nicht durchspült werden und damit ihre ursprüngliche Farbe beibehalten.
Alternativ zur Wachstechnik kommen Knoten und Abbindungen mittels Schnur, Kabelbinder, Draht oder Gummi zur Anwendung. Durch mehrfache Durchgänge von Abbindungen und verschiedenfarbige Bäder lassen sich Farbübergänge erzielen. Ende Zitat. Das Tjanting, ein Wachskännchen wird in Ghana nicht verwendet. Hier trägt man den Wachs mit Stempeln und Pinseln auf. Die Technik des abbinden und färben heisst "Tie and dye".


Wachs wird in einer Pfanne geschmolzen:


Jones Brown zeigt uns was ein richtiger Profi kann. Hier wird nach dem ersten faerben eine zweite Wachsschicht aufgetragen. Der Stoff unter dieser Wachsschicht bleibt dann Gruen.


Die schwarzen Filzstiftlinien werden mit Wachs nachgezeichnet. So blebt nach dem faerben eine weisse Linie zurueck.


Holzstempel ermoeglichen schneller zu arbeiten.


Schaumstoffstempel und Pinsel: Spaeter haben wir noch gelernt mit einem Stueck Schaumstoff dessen Kante ausgefranst wird willkuerlich erscheinende Wachsstreifen zu ziehen.




Holly-Ghost bringt uns das richtige stempeln bei:


An einem Tisch mit Stoff zu stehen ist fuer mich nichts neues. Das schoene ist, das der Handwerker gleichzeitig Creativ Director ist. Auch das ist etwas das in der Fabrikarbeit nicht moeglich ist.


Nach dem auftragen des Wachses landet der Stoff im Becken mit der Farbe:




Hier werden gleich drei Stuecke ins Farbbad gezogen. Das gruene und das blaue Stueck bekommen nun die zweite Farbe.


Nach dem faerben werden die Tuecher an die Sonne gelegt. Und wie bei einem Polaroid Foto (Die aelteren unter uns kennen das ja noch) kommt die Farbe erst langsam zum Vorschein.


Bananen und Erdnuesse werden gleich vor unserer Werkstatt (Oder sagt man schon Atelier?) angeboten. Was will man mehr?


Nach dem letzten faerben wird der Wachs mit heissem Wasser ausgewaschen. Dafuer reicht ein altes, halbiertes Oelfass voll Wasser das ueber einer Feuerstelle steht. Danach wird der Stoff zum trocknen aufgehaengt. Obschon wir allen Nachbarn die Waescheleinen vollgehaengt haben, mussten wir noch einige Stuecke mit Polsternaegeln am Haus und am Strommasten festnageln.

Sonntag 14. Juni.
Nachts hat sich der Regen des Nachmittags nochmal zurück gemeldet. Das Gewitter legte alle paar Minuten nochmal einen Zahn zu. Wir kennen nun auch die undichten Stellen unseres Küchendaches. Um zwei Uhr Morgens ruft uns Mercys Schwester um Hilfe. Dank des Stromausfalles marschieren wir im Taschenlampenlicht durchs Quartier. Der Regen hat den sandigen Boden verändert. Wir suchen uns neue Wege auf Steinen balancierend um die Pfützen herum. Der kleine Bach hat sich wieder in einen Fluss verwandelt. Das ganze erinnert eher an ein Sandfeld bei einem Gebiergsfluss. Das Wasser reicht bis an die Hausmauer. In der Hütte stehen schon überall dort Becken und Pfannen wo das Dach undicht ist. Am Morgen erzählt man sich wie man die Nacht überstanden hat. Eine Nachbarin meint lachend sie hätte im Wohnzimmer einen Swimming Pool gehabt.
Samstag 20 Juni
Das ist vieleicht noch einer der Vorteile das in Afrika Fabriken haeufig heruntergewirtschaftet sind. Der kleine Handwerksbetrieb kann so ueberleben. Bei uns kommen ja Kleider fast nur noch aus Fabriken. Nur wenige Leute koennen es sich leisten ein Hemd, eine Hose oder gar einen ganzen Anzug nach eigenen Wuenschen von einem Schneider herstellen zu lassen. Schneider findet man alle paar hundert Meter. Und Laeden die Stoff verkaufen genau so haeufig. Und dann sind noch vielerorts Maenner und Frauen unterwegs die auf dem Kopf eine Naehmaschine oder einen Packen Stoff tragen.

Bubu Nummer 1. Vom Touri selber kreiert. Vier Yard Stoff fuer einen "Bubu". Daraus wird ein Ueberwurfartiges langes Kleid genaeht. Urteil einiger Besucher: Auf jeden Fall gibts so ein Muster in Ghana noch nicht.


Bubu Nummer 2:


Bubu Nummer 3. Von Holly Ghost kreiert.


Bubu Nummer 4. Von Holly Ghost kreiert.


Bubu Nummer 5. Von Jones Brown kreiert.


Bubu Nummer 6. Von Jones Brown kreiert.


Natuerlich gestalten (!) wir nicht nur Bubu Stoff.






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