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4. September 2009 5 04 /09 /September /2009 10:46

Donnerstag 30. Juli

Ich bereite mich auf die Abreise am 2. August vor. Gestern rief uns Grimaldi an, wir sollen heute Donnerstag um 9 Uhr anrufen. Also tu ich das. "Ja, sie können kommen." Gibt man mir Bescheid. "Wozu kommen? Um das Ticket abzuholen?" "Nein, Sie gehen aufs Schiff, morgen fährt es ab." Ich könnt mich wieder ärgern. Nichts hat diese Firma auf Anhieb richtig gemacht. Die Zeit reicht nicht mehr um mich von allen zu verabschieden. Der Tag im Internet um den Blog zu erweitern ist auch futsch. Die Ruhe ist dahin. Bei Grimaldi angelangt dann wie zu erwarten grosse Augen als ich nach Frachtpapieren für meinen Töff frage. Irgendwie muss ich ja in Amsterdam belegen das die Kiste mir gehört. War vielleicht etwas viel verlangt schon nach 3 Wochen warten die Papiere zu wollen. Man fährt uns zum Hafen. Der Abschied fällt ins Wasser. Der Hafenbereich ist eine Sicherheitszone in die man nicht zum Verabschieden reingelassen wird. Schei... Schnell noch den Ausreisestempel in den Pass klatschen.

Das Schiff:

214 m lang

32 m breit

50 m hoch

18.5 Knoten (34 km/h) schnell.

Das Heck der "Grande Africa" mit der Zugbrücke.



Abendstimmung bei der Zugbrücke.


Containerstapler auf dem Weg vom Wetterdeck zur Zugbrücke.


Das Schiff hat zwei Kranen


Ich steh vor einer weiss/gelben Wand aus Blech. Gewaltig. Aus der Öffnung am Ende des Schiffes werden alte Autos herausgefahren. Man drückt mich dem Chief Officer in die Hand. Ein junger Schwede. Die rechte Hand des Kapitän. Willkomen! Mit dem Lift hoch zum Kapitän. Ebenfalls Schwede. Optisch nahe bei Harald Schmid, Sandale, kurze Hose und  lockeres Hemd. Er führt mich kurz zu meiner Kabine, der Waschmaschine, der Offiziersmesse (Essen und relaxen) mit dem grossen Kühlschrank und dem Sitzungsraum mit Töggelichaschtä und Computer (Mail ohne Anhänge via Satellitentelefon). Ich räume meine Sachen ein. Ca. 30 Männer und 2 Frauen Besatzung. Schweden und Philippinos. Der Chief-Officer zeigt mir die verlassene Kommandobrücke. Ein grosser Raum voller Technik und Topfpflanzen. Auf Schildchen steht das alles hier
gesprochene aufgezeichnet wird. Draussen sitzen zwei Philippinos mit ihren Labtops. Sie haben gratis Internetverbindung vom Hafen her. Sie arbeiten sechs Monate an Bord, gefolgt von fünf Wochen Ferien.

 


Eines der Ladedecks


Eine Gruppe ghanaischer Hafenarbeiter


Freitag 31. Juli.

Die erste Nacht mit Ohrenstöpseln geschlafen (Lüftungsrauschen). Bin der einzige Passagier. Doppelkabine für mich allein. Seit Monaten die erste Dusche. Bequeme Matratze. Frühstückbuffet mit Wurst und Käse! Auch hier wieder, zum ersten mal seit Monaten. Im Bauch des Schiffes und an Deck wird noch geladen. Ich spüre das rumpeln der Stapler und Containerschlepper. Einmal ein massiver Schlag. Der Küchenchef steht mit zwei Kameras an Deck. Sein Hobby ist das Schiffe fotografieren. Ob ich den runtergefallenen Container gesehen hätte. Daher der heftige Schlag! Der Container steht auf einer eingedrückten Ecke. Ein Drahtseil ist gerissen. Niemand ist verletzt. Ich zieh die gelbe Sicherheitsweste an und geh zu den Frachtdecks runter. Gabelstapler ordnen Paletten mit Yams. Containerschlepper zierkeln die Rampen hoch. Gewaltige Gefährte packen Container seitlich mit Greifern und stellen sie aufeinander.





Ein umgebauter Gabelstapler schiebt eine Gruppe alter Autos aus dem Frachtraum ans Kai.

 

Die zum Schiff gehörenden Stapler sind mit Ketten gesichert, bereit zum auslaufen des Schiffes


Ja, es gibt sie noch. Die gute alte Schiffsglocke.


Samstag 1. August.
Das Lotsenschiff



Vor der Abfahrt durchsucht die Mannschaft das ganze Schiff nach blinden Passagieren "Stowaway" genannt. Ich folge einem philippinischen "Oiler" das ganze Treppenhaus hinunter in den Maschinenraum. Wieder oben angelangt läuft mir der Chefkoch mit seinen zwei philippinischen Kolleginnen über den Weg. Auch sie suchen nach Afrikanern die nach Europa wollen. Der Koch lernt dann alle kennen wenn er ihnen das Essen in die Zelle bringt. Es gäbe ruhige, verschreckte, anständige aber mitunter auch aggressive. Die Kosten die dadurch entstehen könnten schnell 50´000 $ erreichen. Die Rampe wird langsam hochgezogen, der Pilot genannte Lotse ist an Bord, die Leinen werden gelöst. Der 2-Takt Motor läuft mit 100 Umdrehungen pro Minute. Langsam bewegt sich die "Grande Africa" auf die enge Hafenausfahrt zu, begleitet von zwei "Tug-Boat" genannten Schleppern. Schon ist sie durch und fährt an den vor Anker liegenden Schiffen vorbei aufs offene Meer.



 

Montag 3. August. Elfenbeinküste.


Fischerboote in der engen Zufahrt zur Lagune von Abidjan.




Steh früher auf um die Ankunft in der Lagunenstadt Abidjan nicht zu verpassen.
Der Kapitän, mit Hilfe des Lotsen, führt das Schiff durch die enge Hafeneinfahrt an Fischerbooten vorbei ans Kai.


Mir fallen die vielen Sicherheitsleute mit ihren grossen Hunden auf.


Ich nehme den Lift vom 12 Stock, dem Kabinendeck, runter zur Zugangsrampe im 3 Stock. Ein paar alte LKW und Autos werden rausgefahren oder gezogen. Im Gegensatz zu Ghana sehen diese Wachmänner sehr bedrohlich aus. Container werden mit gelenkigen Zugfahrzeugen ins unterste Deck gefahren.

Autos raus, Helikopter rein.


Der Sicherheitsmann stoppt den Fahrer und schaut unter den Aufleger mit dem Container. Und tatsächlich lässt sich ein Mann zu Boden gleiten. Er grinst verlegen und versucht locker davon zu sprinten. Einer stellt ihm ein Bein. Man führt ihn davon. Schnell hat sich eine Ansammlung um ihn gebildet. Ein Gerangel entsteht. Nach ein paar Ohrfeigen wird er weggeführt. Das sei einer der vielen die weg wollen, nach Europa. Wenn er unbemerkt aufs Schiff gelangt wäre hätte er elf Tage im untersten Deck verbracht. Was hätte er getrunken und gegessen im Dunkeln? Ich unterhalte mich mit dem Wachmann, schon fragt er mich nach Telefonnummer und Adresse in der Schweiz. Ein weisses Auto fährt vor mit drei Asiatinnen. Sie winken und lachen den philippinischen Seefahrern zu. Die grinsen zurück. Es gäbe in Abidjan eine philippinische Bar, mit Restaurant, Karaoke und philippinischen "Girls". Die Männer würden direkt vom Hafen abgeholt. Das Tagesgespräch ist jedoch der Nervenzusammenbruch einer der beiden Küchengehilfinnen. Der Koch fühlt sich schon seit langer Zeit als Sündenbock für vieles. Er schmeisst den Job hin und verlässt das Schiff. Der Arzt will die Frau nicht in diesem zustand gehen lassen. Der "Engine Fitter" und seine zwei jungen Helfer räumen die Küche auf. Andere helfen die Messe aufzuräumen. Danach gehen einige in den Ausgang in die Stadt.

Maersk. Die Nummer Eins im Containergeschäft.

 




Reis wird entladen


Dienstag 4. August.

Der Lotse ist für sechs Uhr morgens bestellt. Ca. 1 Stunde vor Abfahrt wird der Motor gestartet. Ich will die Abreise von Afrika nicht verpassen. Der Tag beginnt mit Ärger. Einer der Offiziere hat in der Nacht an der Wache vorbei eine Frau aufs Schiff mitgebracht und ein Maschinist ist nach seinem Besäufnis noch nicht zurück an Bord. Die grosse Rampe wird hochgezogen. Da springt ein Mann vom Quai auf die Plattform und verschwindet hinter der Rampe. Später finden ihn die Wachmänner. Wieder einer der weiter in Afrika leben muss. Und irgendwie sind noch 60 Meter Tau im Wasser verschwunden. Um halb Neun beginnen drei Taucher nach dem armdicken Schiffstau zu suchen. Wie befürchtet ist es beim einziehen abgesunken und vom Schiffspropeller erfasst worden. Der Schiffsmotor läuft konstant mit 100 Umdrehungen pro Minute und treibt direkt den Schiffspropeller an. Der Vortrieb wird durch verstellen der Propellerflügel erreicht. Nun um elf Uhr liegt das zerschnittene Tau am Kai.

Drei Taucher bergen das um die Antriebswelle gewickelte Tau.


Die ganze Zeit hab ich zusammen mit einem Schiffstechniker von der Reling des obersten Deck zugeschaut. Er ist Philippino und arbeitet seit 1987 auf Schiffen. Wir unterhalten uns über sein Land, Erziehung, Disziplin, Korruption, das zusammenleben auf dem Schiff. Er berichtet von seiner Zeit auf den Reisfelder und der Arbeit als Reiniger in einer Textilfabrik. Später dann die Abendschule, der Wechsel zur Toyota Fabrik und dem Inserat das Elektriker für Saudi-Arabien gesucht werden. Er sieht die Familie alle drei bis sechs Monate für ein paar Wochen. Eine Tochter wird wohl bald als Krankenschwester in London arbeiten. Nach ein paar Jahren kann die Familie nachkommen. Dann wird er sich eine Arbeit in London suchen und die Familie wird wieder zusammen sein.

Die Lagune von Abidjan



19 Uhr, auf der Brücke. Der Raum ist dunkel. Vier Monitore, Anzeigen, Leuchttasten und Kontrolllämpchen von verwirrend vielen elektronischen Geräten am 10 Meter langen Steuerpult  leuchten im Dunkeln. Im Licht des  Vollmond seh ich die zwei weissen Kräne.

Manchmal hat man einfach Glück. Es hät ja noch die "Grande Lagos", "Grande Argentina" etc. gegeben. Aber nein, mich verschlägts auf die "Africa"!

 

Mittwoch 5. August.

Das Handsteuerrad (In der Mitte unten) ist nur eine von mehreren Möglichkeiten das Schiff zu lenken.


Die kleinen Dreiecke markieren Schiffe




Auf einem modernen Frachtschiff steht ja niemand direkt am Steuer. Ein Autopilot hält den Kurs. Der 2te Offizier fragt ob ich mal von Hand steuern möchte. Etwas unsicher sage ich ja. Der Kurs sei 301°. Der Wind kommt von Backbord, also links und drückt das Schiff hinten rum. Also soll ich nach rechts steuernd dagegenhalten. Er dreht den Schalter, der Autopilot ist aus. Ich dreh brav am Steuer, es ändert sich wenig, also dreh ich mehr. Nun reagiert das Schiff, ich bin schon bald über´s Ziel hinausgeschossen und muss Gegensteuer geben. Schon bin ich 2° vom Kurs abgekommen. Naja, lassen wir´s für den Anfang.

Kapitän, zwei Offiziere und bequem auf dem Sessel der Kadett (Lehrling).


Die schiffseigene Küchenkräuterzüchterei auf der Kommandobrücke. Es werden auch Tomaten gezogen. Nur Mozarella hatten sie keinen...
 

Einer ist immer schneller. Die 300 Meter lange "Kimi" von Maersk zieht vorbei.


Freitag 7. August

Liberia, Sierra Leone, Guinea und Guinea-Bissau liegen schon hinter uns. Nun sind wir auf der Höhe von Gambia das von Senegal umschlossen ist. Der Hafen von Dakar, der senegalesischen Hauptstadt, ist der letzte der noch am Weg liegt um blinde Passagiere an Land zu bringen. Darum durchsucht die Mannschaft noch einmal das Schiff nach "Stowaway´s". Und ja, ein Teenager wird hinter der grossen Rampe gefunden. Er darf zuerst duschen, kriegt einen Overall zum anziehen und Wasser zu trinken. Danach bringt man ihn zum Kapitän der schon mit dem Hafen Kontakt aufgenommen hat und das Frageformular bereit hält. Da der junge Mann französisch spricht bittet man mich zu übersetzen. Name, Alter, Herkunft, Familie, Freunde? Wie er auf das Schiff gekommen sei, wo er sich versteckt habe. Der Junge antwortet leise. Er sei 14 Jahre alt (viel älter sieht er nicht aus) und komme aus Guinea. Er sei schon einmal mit einem Grimaldi Schiff nach England gefahren und nach einem einjährigen Aufenthalt in einem Waisenhaus wieder nach Guinea zurück geflogen worden. Nachdem alle Fragen beantwortet sind, erklärt ihm der Kapitän die Essenszeiten und lässt ihn dann zur Zelle neben der Kommandobrücke bringen. Um drei Uhr erreicht die "Grande Africa" Dakar und stoppt einige Kilometer vor dem Hafen. Das Lotsenschiff bringt zwei Polizisten, den Agenten und den Versicherungsvertreter von Grimaldi. Ein Protokoll wird geschrieben und der Junge geht von Bord. Schnell noch ein paar Fotos von der Insel Gorée einem ehemaligen Verschiffungsort für Sklaven. Bald ist das Cap Vert umschifft. Der westlichste Punkt Afrikas verschwindet am Horizont. Ich fühle das dies nun der Abschied von Afrika ist. Langsam sinkt die Sonne. Plötzlich sehen wir um die 20 Delphine aufs Schiff zuschwimmen. Sie springen über die Wellen.


Die papierene Seekarte ist auf einem Tisch festgespannt. Darunter führen zwei Schrittmotoren ein kleines Lämpchen auf der Position des Schiffes.

                  

 

 

Ile de Gorée vor Dakar


Insel Gorée


Samstag 8. August

Am Nachmittag haben 2 grosse Delfingruppen unseren Weg gekreuzt. Für halb sechs abends ist Sangria versprochen mit anschliessendem Barbecue. Die Holzbänke und Tische stehen recht im Wind. Es weht mir den Salat vom Teller. Aber der Salat ist ja Nebensache beim grillieren. Beim gemütlichen Zusammensitzen amüsiert mich, wie locker routiniert, jeder die ausgetrunkenen Bierflaschen über Bord wirft. Bald sitzen nur noch die Schweden draussen. In der Mannschaftsmesse wird Karaoke gesungen. Wir gesellen uns dazu. Eine Profi Anlage. Zwei Mikrofone mit Tastatur und eine grosse Auswahl philippinischer Lieder und westlicher Oldies. Mit den Beatles, Elvis, John Denver und Steppenwolf geht die Zeit vorbei. Das auch die Schweden wirklich gut singen überrascht mich, da kann ich nicht mithalten. Nach und nach ziehen sich die Philippinos in ihre Kabinen zurück. Die Krönung ist das vom finnischen "Engine Fitter" gesungene philippinische Liebeslied. Keiner versteht die auf Tagalog geschriebenen Zeilen, aber ich seh das es dem stämmigen Finnen ans Herz geht.


Montag 10. August.

Es wird unterwegs viel am Schiff revidiert. Entrostet und gemalt, geschmiergelt, geschweisst, festgezurrt, Öl aufgewischt, Pumpen revidiert, Austauschteile aufgearbeitet. So wie es Handwerker auch an Land tun. Der grosse Unterschied ist das sich der Arbeitsplatz ja immer bewegt. Vieles muss gegen umfallen und davonrollen gesichert sein. Man selber steht breitbeinig da oder hält sich gar fest.

 


Dienstag 11. August.

Ich bin ja der einzige Passagier an Bord. Steh auf, esse dreimal täglich, spazier draussen rum, sortier und benamse die Fotos am PC. Gestern hab ich einen Bondfilm geschaut. Ich lese viel. Ansonsten häng ich auf der Kommandobrücke rum, studier die Monitore, betrachte die Seekarte und halt nach Delfinen Ausschau. Oder ich nehm den Lift, fahr in den Maschinenraum runter und schau den Männern beim arbeiten zu. Ich schleich also gemütlich dort rum wo andere arbeiten. Eine etwas komische Situation. Ich schreib das abends auf der Brücke, sitz im hohen Stuhl am Fenster, die Sonne scheint noch. Ich schau über den Bug den Wellen mit den kleinen Schaumkronen zu und der Computer spielt "Jealous guy" von John Lennon. Morgens waren wir auf der Höhe von Gibraltar. Nun passiert das Schiff bald Lissabon.

Ari der finnische "Engine Fitter" erklärt mir den 7-Zylinder 2-Taktmotor. Das Thermometer zeigt 35°.

 

Ein Auslassventil und dessen Gehäuse wird entrusst. Ein Job für die jungen Kadetten


Pausenzeit im klimatisierten Steuerraum.


Sensoren geben die Temperaturen in der Maschine an.


Das heutige Nachtessen steht unter dem Motto "Help your self".


Mittwoch 12. August

Die "Grande Africa" pflügt durch den Golf von Biskaya. Die See ist rauh, der Wind kommt von Nord-Nordost. Ich lass mich zum Bug des Schiffes führen. Wir gehen gebückt und mit eingezogenem Kopf durch eines der niedrigen Autodecks. Hinter einer massiven Türe ist der offene Bugbereich mit den Anker- und Schiffstauwinden. Wir lehnen uns über die Reling und sehen zwei Delfine die knapp vor dem Bug durchs Wasser schiessen. Sie wechseln die Position zueinander, geben richtig Gas und springen immer wieder durch die Luft. Die haben Spass!

 

Die Tücken der digitalen Fotografie. Aber es genügt um mich später im Altersheim zu erfreuen.


Und die 30 Männer und Frauen auf dem Schiff waren einfach super. Haben mir alles erklärt, mich überall reingelassen, mein Karaoke Gekrächze ertragen...


Antrieb und Winden der Ankerketten und Schiffstaue. Taue werden für die baldige Ankunft in Amsterdam vorbereitet.


Freitag 14. August

Und wieder naht ein Abschied. Heute Nacht werden wir in Amsterdam ankommen. Ein paar Männer werden schon von hier nach Hause fliegen. Hab heute mal wieder mein GPS eingeschaltet. Und siehe da, wir passierten genau in diesen Minuten den Eurotunnel. Nun weiss ich also auch wie es sich anfühlt wenn man mit dem Schiff über einen Eisenbahntunnel fährt... Bin noch für ein paar letzte Fotos auf den Bugmast geklettert.

Container, Kranen und Kommandobrücke vom Bugmast aus betrachtet.
 

Sonntag 16. August
Altstadt von Amsterdam




Montag 17. August
Chlapf uuspackä.


Mittwoch 19. August

Ankunft in Hallau


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21. August 2009 5 21 /08 /August /2009 14:10





Samstag 20. Juni.

Bin jetzt öfters im Internet. Denk mehr an zuhause. Aus einer Laune heraus öffne ich die Website der "Schaffhauser Nachrichten". Was läuft so? Ein Albaner ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und ein Algerier steht vor Gericht, weil er seine Frau spitalreif geschlagen hat. Mir scheint, als hätte sich nicht viel verändert.





 

Dienstag 23. Juni.

Frühmorgens steht, wie abgemacht, der Schreiner vor der Tür. Er hat das halbfertige Wohnzimmerregal mitgebracht. Den ganzen Tag, sägt, hobelt und nagelt er an den Brettern. Man kauft Möbel nicht bei IKEA, sondern lässt sie vom Handwerker herstellen. So sieht man im Quartier nicht nur alle paar Strassen weit einen Schreiner, sondern auch Sägereien gibt’s genug. Möbelhäuser gibt’s nur wenige und der Normalverdiener kann sich die Möbel dort auch gar nicht leisten. Der Schreiner hat weniger Werkzeuge als jeder Hobbybastler bei uns. Ich kenn die Werkzeuge aus unseren Brockenhäusern. Handbohrer, eine schön verzierte Fuchsschwanz Säge, ein Handhobel, ein gusseiserner Ziehhobel, Anschlagwinkel, zwei Stechbeitel, zwei Schraubenzieher, Hammer, Massband, Lackpinsel, etwas Öl für´s sägen. Zuhause in Asamankase hätte er noch mehr Werkzeug. Ein Hobbyschreiner in der Schweiz gäbe sich damit wohl nicht zufrieden. Hier macht es einen Berufsmann aus. Abends holen wir beim Schneider noch das letzte Hemd. (Unseres, nicht seins!).




 

Donnerstag 25. Juni

Beim Frühstück bemerken wir das noch mehr Lieder von Michael Jackson als üblich gespielt werden. Nun ist er also gestorben. Ich erinnere mich an die Radiomeldung das Elvis Presley gestorben sei. Ich kann mich nur noch an eine andere relativ alte Radiomeldung erinnern: Wissenschafter hätten eine bisher unbekannte Krankheit entdeckt. Das war dann Aids.


Peters Schneidershop


Fufu stampfen ist Männersache

 

Freitag 26. Juni.

Am Radio läuft Highlife Musik. Mittendrin hör ich den Namen Michael Jackson. Es sei ein altes Stück das von Erinnerungen an Verstorbene handle. Und ja, im Radiostudio wird live gespielt. So gedenkt man diesem letztlich unglücklichen Menschen.


Werbung für DVD Filme


Das Nationaltheater

 

Mittwoch 1. Juli

www.peacefmonline.com

Heute ist ein Feiertag der an die ersten Wahlen erinnert. Eine Radiostation organisiert einen Fussmarsch. Wir stehen nach vier Uhr auf, marschieren im strömenden Regen zur Strasse und fahren per Minibus auf die andere Stadtseite. Schon auf dem Weg sehen wir Gruppen beim Morgen Jogging. Im Gleichschritt, mit Schellen und Gesang springen sie den Strassen entlang. Das hat nichts mit dem heutigen Feiertag zu tun. Beim Treffpunkt sehen wir das es nicht geregnet hat und alle schon bester Laune sind. Eine kleine Marschmusikkapelle und ein paar Polizisten sind auch dabei. Man marschiert den Hügel hoch, biegt in eine Seitenstrasse ein. Dort geht’s dann runter, wo alle wieder umkehren um dann von der Musik angespornt singend, tanzend, springend langsam den Hügel hoch zu kommen. Wieder auf der Höhe angekommen spielt die Musik an Ort. Viele tanzen. Danach geht es ruhiger den Hügel hinunter, zum Ausgangspunkt, wo sich alle nach Hause aufmachen.














 

Dienstag 21. Juli

Gestern hat uns ein Schreiner die Kiste für meinen Töff gezimmert. Im Gegensatz zum  Schreiner im Blogeintrag vom Dienstag 23. Juni, hat dieser eine grosse Werkstatt. Er hat Angestellte, Band-,  Kreissägen und weitere Elektrowerkzeuge. Er schraubt meine Kiste mit dem Bosch Akuschrauber zusammen. Wir haben ihn durch Jones kennen gelernt der von ihm die Holzstempel herstellen lässt.

Wozu ne Holzkiste für den Töff? Ich habe eine Schiffspassage auf einem Frachtschiff der Grimaldi Gesellschaft nach Amsterdam für mich und meinen Chlapf gebucht. Abreise sei ca. der 2. August. Das Frachtschiff fährt noch den ghanaischen Hafen Takoradi und die cote-d´Ivoirische Hauptstadt Abidjan an. Um den 15. August herum ist dann Amsterdam erreicht.





 

Mittwoch 22. Juli

Ich denke darüber nach, wo ich wohnen möchte und wie ich die Arbeitssuche angehe.




Er macht Gewinner
 


Sonntag 26. Juli
.

Meine letzte Woche in Ghana bricht an. Wir machen einen Fototag beim Nkrumah Memorial, beim Unabhängigkeitsplatz und beim Platz der an die Gründung der afrikanischen Union erinnert. Die grossen Plakate mit US Präsident Obama hängen auch noch.

Ich denke öfters darüber nach was die Zeit in Afrika gebracht hat. Das Wort "gebracht" weist ja schon auf mein (unser?) Kosten/Nutzen Denken hin. Als Weiterbildung kann ich meine Kosten wohl nicht von den Steuern abziehen. Obwohl, gelernt habe ich schon einiges. Ich hoffe nur das es mir im richtigen Moment in den Sinn kommt.


Nkrumah Memorial


Der erste Präsident Ghanas


Akwaaba = Willkommen


Independence arc


Unabhängigkeitsplatz





"Ich han di schönärä Zäh"




Gründerväter der afrikanischen Union


Montag 27. Juli.

Die Menschen sind ja grundsätzlich guten Charakters. Idioten sind die Ausnahme und bestätigen die Regel. Und mancher den man für einen Idioten hält hat vielleicht Gründe für sein Verhalten. Mir ist aufgefallen wie viele falsche Bilder wir und Afrikaner von einander haben. Wir sehen viele gute Dokumentarfilme, die aber eher den Rindernomaden mit dem Lederschurz porträtieren. Den gibt’s zwar noch, so wie es auch noch ein paar wandernde Schafhirten bei uns gibt. Ghanaische TV Stationen bringen keine Dokumentarfilme. Dafür fehlt wohl das Geld.


Wenn die Sonne scheint siehts doch recht hübsch aus


Wenn dann der Regen kommt werden Wege zu Bächen





Dienstag 28. Juli.

Den gestrigen Tag verbrachten wir mit der Frachtagentin am Hafen um von der Zollbehörde den vergessenen Einfuhrstempel fürs Motorrad zu bekommen. Heute packten wir mein Hab und Gut in ein Taxi. Der Schreiner schob die zerlegte Frachtkiste dazu. Zusammen verbrachten wir den Tag am Hafen. Laschtwägeli organisieren, Lagerhalle suchen. Zöllner aufbieten. Kiste zusammenschrauben. Schiffe anstaunen. Und schon ist es wieder Abend. Nun muss mein geliebter Töff allein in einer Kiste schlafen, nicht mehr wie in den letzten Wochen vier Meter neben mir, vor dem Küchenfenster.


 


Mittwoch 29. Juli.

Was mich immer wieder erstaunt, ist wie teuer das Leben für die Ghanaer ist. Gemessen an meinem Lohn ist natürlich vieles günstig. Verglichen mit ghanaischen Löhnen sind die Waren sehr teuer. Ich hab einmal gelesen das wir in der Schweiz (und wohl überall in den wohlhabenden Ländern) einen über die Jahrzehnte immer kleiner werdenden Teil unseres Lohnes für die Lebenshaltungskosten aufbringen müssen. Unsere Grosseltern mussten also noch länger arbeiten um sich z.Bsp. ein Brot kaufen zu können. Ich mach dann manchmal eine kleine Kopfrechnung um zu wissen wie teuer ein Artikel in der Schweiz sein müsste, damit wir gleich lang dafür arbeiten müssten. Grob gerechnet verdienen kleine Angestellte oder Handwerker ca. 60 mal weniger als in der Schweiz. Wenn also etwas in Ghana und der Schweiz 5 Franken kostet, dann müsste es in der Schweiz schon 300 Franken kosten damit ich gleich lang dafür arbeiten müsste.

 

Löhne, Verdienste in Ghana                                                               

Wechselkurs: 1.20 Ghana Cedi für 1 Franken                                                                                  

Wer                                                    Ghana Cedi                CHFr.                                    

Kellner                                               40 - 80                         33 - 66                                   

Purewater Lieferer                          80                                 66                               

Wachmann je nach Firma.            50 - 140                      40 - 115                             

Gruppenchef Wachfirma                170                              140                             

Tankwart                                            150                              125                             

Verkäufer Warenhaus                     70                                60                               

Strassenküchenhelfer                     50                                40                               

Strassenküchenvorarbeiterin         100 - 200                   85 - 170                             

Nurse Level 1 bis 3                          100 - 150 - 400          85 – 125 - 335                                                       

Abteilungsleiter int. Firma                2000                            1670                           

Schneider                                            100                              85                               

Strassenverkäufer Orangen             25                                20                               

                                                                                   

Kosten in Ghana:        

Was                                                                      Ghana Cedi                Entspräche CH Kosten

Mtl. Miete, Hütte ohne Wasser                        15                                900 Fr.

Wohnung gemauert 2 Zimmer WC Bad.      80                                4800 Fr.                  

0,5 L. Trinkwasserbeutel, Einzelverkauf       0.05                             3 Fr.               

0,5 L. Trinkwasserbeutel, Engros                  0.0215                         1.29 Fr.

Wasser selber mit Kanister holen:

20 L. ab Tank im Quartier                                 0.25                             15             Fr.                  

20 L. ab Hahn im Quartier (selten)                 0.15                             9                Fr.      

50kg Reis                                                            40                                2400          Fr.      

Zucker 1kg                                                           0.80                              48             Fr.      

Zahnpasta                                                           1.50                              90             Fr.                  

1 Grosser Yams:                                                2.50                              150           Fr.                  

1 Gr. Kochbanane                                               0.50                             30             Fr.      

3dl. Cola, Fanta im Laden                                 0.50                              30             Fr.      

3dl. Cola, Fanta Bar/Rest.                                 1.-                                 60             Fr.

1l. Benzin                                                              1.10                              66             Fr.

1 Baguette                                                            0.6                                36             Fr.

1 englisches Brot gross                                    2                                   120             Fr.      

1 Lit. Palmoil                                                        2                                   120             Fr.      

4 kleine Tomaten                                                0.5                                30             Fr.

3 Zwiebeln                                                            0.5                                30             Fr.      

1. Lit. Milch (Unüblich in Ghana)                       3                                   180             Fr.      

1 Orange, je nach Saison.                                  -.05 bis -.50              3 bis 30 Fr.      

3 Eier                                                                      0.5                               30             Fr.      

4 grüne Bohnen                                                   0.1                               6             Fr.      

Grosse Flasche Bier in Drinkingspot              1.5                               90             Fr.      

Geräucherter Fisch für eine Mahlzeit               1.5                               90             Fr.      

No-Name China Natel                                        35-170                        2100 - 10200 Fr.       

Ohrhörer für Natel                                                 2                                  120             Fr.

Batikshirt                                                                 14                                840             Fr.      

1 kW/h Strom                                                          0.14                             8.40             Fr.      

1 mal aufs Quartier WC                                       0.15                             9             Fr.      

255 gr. Sardinen in Büchse                                2                                  120             Fr.                                                                                                                                                      

Nur wenige haben ein eigenes Auto. Aber da ja fast alle Waren zuerst mal mit Lastwagen transportiert werden, sind doch alle vom Benzin und Dieselpreis betroffen. Die Minibuse "Tro-Tro" sind das Transportmittel der grossen Mehrheit. Morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause kostet schnell mal 1 Cedi. Bei einer sechs Tage Arbeitswoche sind dann ruck-zuck 25 Cedi´s weg. So arbeitet jemand vielleicht eine Woche pro Monat dafür, überhaupt zum Arbeitsplatz zu gelangen.
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20. Juni 2009 6 20 /06 /Juni /2009 18:39







Und wenn der Stoff falten wirft beim Wachs darueberstreichen, so ist das "a new design".























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17. Juni 2009 3 17 /06 /Juni /2009 20:19
Samstag 13. Juni.
Mercys zweite Operation war erfolgreich. Sie kann die Finger wieder benutzen. Nun sind Physiotherapie und Übungen angesagt. Seit ein paar Tagen sind wir mit dem Herstellen von Batikstoffen beschäftigt. Mercy hat beim Materialeinkauf einen Mann kennengelernt der Batiken macht. Er nennt sich "Holly Ghost". Er bringt uns auf den neusten Stand. 
Wikipedia sagt: Batik ist ein ursprünglich aus Indonesien stammendes Textilfärbeverfahren, bei dem Muster und Verzierungen in Handarbeit mit flüssigem Wachs mit einem als Tjanting bezeichneten Werkzeug auf das Gewebe (Baumwolle, Leinen, Seide, etc.) aufgezeichnet und somit abgedeckt werden, und daher bei dem darauf folgenden Färben des Stoffes im Farbbad nicht durchspült werden und damit ihre ursprüngliche Farbe beibehalten.
Alternativ zur Wachstechnik kommen Knoten und Abbindungen mittels Schnur, Kabelbinder, Draht oder Gummi zur Anwendung. Durch mehrfache Durchgänge von Abbindungen und verschiedenfarbige Bäder lassen sich Farbübergänge erzielen. Ende Zitat. Das Tjanting, ein Wachskännchen wird in Ghana nicht verwendet. Hier trägt man den Wachs mit Stempeln und Pinseln auf. Die Technik des abbinden und färben heisst "Tie and dye".


Wachs wird in einer Pfanne geschmolzen:


Jones Brown zeigt uns was ein richtiger Profi kann. Hier wird nach dem ersten faerben eine zweite Wachsschicht aufgetragen. Der Stoff unter dieser Wachsschicht bleibt dann Gruen.


Die schwarzen Filzstiftlinien werden mit Wachs nachgezeichnet. So blebt nach dem faerben eine weisse Linie zurueck.


Holzstempel ermoeglichen schneller zu arbeiten.


Schaumstoffstempel und Pinsel: Spaeter haben wir noch gelernt mit einem Stueck Schaumstoff dessen Kante ausgefranst wird willkuerlich erscheinende Wachsstreifen zu ziehen.




Holly-Ghost bringt uns das richtige stempeln bei:


An einem Tisch mit Stoff zu stehen ist fuer mich nichts neues. Das schoene ist, das der Handwerker gleichzeitig Creativ Director ist. Auch das ist etwas das in der Fabrikarbeit nicht moeglich ist.


Nach dem auftragen des Wachses landet der Stoff im Becken mit der Farbe:




Hier werden gleich drei Stuecke ins Farbbad gezogen. Das gruene und das blaue Stueck bekommen nun die zweite Farbe.


Nach dem faerben werden die Tuecher an die Sonne gelegt. Und wie bei einem Polaroid Foto (Die aelteren unter uns kennen das ja noch) kommt die Farbe erst langsam zum Vorschein.


Bananen und Erdnuesse werden gleich vor unserer Werkstatt (Oder sagt man schon Atelier?) angeboten. Was will man mehr?


Nach dem letzten faerben wird der Wachs mit heissem Wasser ausgewaschen. Dafuer reicht ein altes, halbiertes Oelfass voll Wasser das ueber einer Feuerstelle steht. Danach wird der Stoff zum trocknen aufgehaengt. Obschon wir allen Nachbarn die Waescheleinen vollgehaengt haben, mussten wir noch einige Stuecke mit Polsternaegeln am Haus und am Strommasten festnageln.

Sonntag 14. Juni.
Nachts hat sich der Regen des Nachmittags nochmal zurück gemeldet. Das Gewitter legte alle paar Minuten nochmal einen Zahn zu. Wir kennen nun auch die undichten Stellen unseres Küchendaches. Um zwei Uhr Morgens ruft uns Mercys Schwester um Hilfe. Dank des Stromausfalles marschieren wir im Taschenlampenlicht durchs Quartier. Der Regen hat den sandigen Boden verändert. Wir suchen uns neue Wege auf Steinen balancierend um die Pfützen herum. Der kleine Bach hat sich wieder in einen Fluss verwandelt. Das ganze erinnert eher an ein Sandfeld bei einem Gebiergsfluss. Das Wasser reicht bis an die Hausmauer. In der Hütte stehen schon überall dort Becken und Pfannen wo das Dach undicht ist. Am Morgen erzählt man sich wie man die Nacht überstanden hat. Eine Nachbarin meint lachend sie hätte im Wohnzimmer einen Swimming Pool gehabt.
Samstag 20 Juni
Das ist vieleicht noch einer der Vorteile das in Afrika Fabriken haeufig heruntergewirtschaftet sind. Der kleine Handwerksbetrieb kann so ueberleben. Bei uns kommen ja Kleider fast nur noch aus Fabriken. Nur wenige Leute koennen es sich leisten ein Hemd, eine Hose oder gar einen ganzen Anzug nach eigenen Wuenschen von einem Schneider herstellen zu lassen. Schneider findet man alle paar hundert Meter. Und Laeden die Stoff verkaufen genau so haeufig. Und dann sind noch vielerorts Maenner und Frauen unterwegs die auf dem Kopf eine Naehmaschine oder einen Packen Stoff tragen.

Bubu Nummer 1. Vom Touri selber kreiert. Vier Yard Stoff fuer einen "Bubu". Daraus wird ein Ueberwurfartiges langes Kleid genaeht. Urteil einiger Besucher: Auf jeden Fall gibts so ein Muster in Ghana noch nicht.


Bubu Nummer 2:


Bubu Nummer 3. Von Holly Ghost kreiert.


Bubu Nummer 4. Von Holly Ghost kreiert.


Bubu Nummer 5. Von Jones Brown kreiert.


Bubu Nummer 6. Von Jones Brown kreiert.


Natuerlich gestalten (!) wir nicht nur Bubu Stoff.






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31. Mai 2009 7 31 /05 /Mai /2009 16:40

Dienstag 26. Mai
Wir fahren zu einem kleinen Ort etwas nördlich von Accra. Unser Ziel ist das Hawa Memorial Saviour Hospital in Osiem. Hier praktiziert ein spanischer Chirurg der seit bald 30 Jahren in dieser Provinz tätig ist. Wir hoffen das er Mercys Armgelenk nach der misslungenen Operation im Militärspital noch retten kann.  Da es im Ort kein  Guest-House gäbe, bietet man uns ein Zimmer mit zwei Krankenbetten zum übernachten an. Wir spazieren mit einer schwangeren Krankenschwester und einem jungen Mann von der Administration nach Hause. Sie erklären uns das die "Saviour Church" zu der das Spital gehoert, in den 1920er Jahren hier gegründet wurde.

Mittwoch 27. Mai
Der abgemachte Termin fällt aus.  So haben wir zwei Tage zum vertrödeln. Wir beziehen ein Zimmer im nun doch existierenden Guest-House gleich um die Ecke. Wir besuchen danach eine Anlage des  "Cocoa Research Institute of Ghana" in  Bunso.

Ein Angestellter im blauen Berufsmantel stellt sich als James vor. Er führt uns nach Rücksprache mit seinem Chef durch das Gelände. In dieser Zweigstelle werden neben Cacao auch Kaffeesträucher und Kolabäume erforscht.
Kakaobaum:

Ghana ist der drittgrösste Produzent von Kakaobohnen weltweit.
Kakaofrucht:

Die Kakaofrucht enthält Samen (Bohnen) die umhüllt sind von einem weissen feuchten Fruchtfleisch.

Solange man die frischen Bohnen nicht zerbeisst macht es Spass an ihnen herumzulutschen. Ähnlich wie ein Zitronenbonbon. Die Bohnen werden 5-6 Tage fermentiert und anschliessend 10-14 Tage an der Sonne getrocknet.

Beim zerkauen der getrockneten Bohnen erahnt man schon den Geschmack einer schwarzen Schokolade.

Bei zwei Gebäuden sind Männer und Frauen mit Kaffeebohnen beschäftigt.
Eine Maschine zerschlägt die Umhüllung der Bohnen.
Ungeschaelte Kaffeebohnen:

Die Frauen trennen mit Sieben die Bohnen von den Schalenresten.

 Etwas Abseits ist ein Haufen mit recht  schrumpeligen harten Gebilden. Das seien Kolanüsse. Aha! Gelesen hab ich schon einige male davon. Ein bitteres Ding das auch nach langem kauen nicht besser wird.



(Wikipedia sagt:
1. Bekannt wurde der Kolabaum unter anderem, dass seine Nüsse ursprünglich zur Herstellung von Coca-Cola verwendet wurden.
2. Die Kolanuss entfaltet stimulierende, verdauungsanregende und schmerzstillende Wirkung.)

Ok. Man merke sich: Coca-Cola, wegen den Kokablättern und den Kolanüssen! Das war aber noch zu den Zeiten als das Gebräu auch Wein enthielt und als Medizin verkauft wurde. Und übrigens, Kaffeeblüten duften wunderbar!
Kaffeestrauch (Ohne Bluete):

Und wie gings dann weiter? Genau. Auch nicht weit davon ist das "Bunso Arboretum". Ein Waldgebiet mit einheimischen und importierten Bäumen und Sträuchern. Tönt etwas fade, ist aber wirklich sehenswert.

Bei uns eine beliebte Zimmerpflanze. Hier ein Schmarotzer auf den Baeumen. Monstera auch Fensterblatt genannt:


Taussendfuessler (Milliped):

Abends dann in Osiem trinken wir beim Dorfplatz mit Busstation unsere Cola. Rechts wird gegrilltes Ziegenfleisch verkauft und von Links bekommen wir Kenke gereicht. Ein junger Mann hat einen Stoff in der Art der Ashanti um seinen Körper drapiert. Das Muster besteht aus lauter Manchester-United Wappen. Auf dem Rückweg im Dunkeln fällt uns ein offener Platz mit einem imposanten Haus auf. Upps, der Polizeiposten. Eine Frau in Uniform und zwei Kolleggen in Zivil sitzen auf den Bänken draussen. Wir setzen uns dazu, erklären unsere Anwesenheit hier und geniessen die Abendstimmung. Der Inspektor erkundigt sich wie in der Schweiz Heiraten und Beerdigungen vor sich gehen. Dann vergleichen wir die heutige Situation mit früheren Gepflogenheiten. Wir sind uns einig, früher wars strenger. Langsam wirds spät, der Bank ist hart, so verabschieden wir uns. Im Guesthouse erhaschen wir noch die letzten Minuten des Fussballspieles Barcelona gegen Manchester-United. 2:0 für Barcelona. Gute Nacht.
Donnerstag 28. Mai

Wir fahren nach Tafo wo der grösste Teil des "Cocoa Research Institute of Ghana" ist. Teile der  Anlage mit Golf- und
Tennisplatz stammen noch aus der Kolonialzeit, inklusive einem gusseisernen Briefkasten aus London mit Krone.

Und auch hier erklärt man uns ausführlich die Aufgaben des Institutes. Erforschung von Krankheiten, Schulung der
Bauern, Bekämpfung der Kinderarbeit und vieles Andere. Ein Mann führt uns zu  kranken Kakaobäumen die zur
Schulung dienen. Interessant sind die Versuchsaufbauten zur Fermentierung der Kakaobohnen. Es wird auch an
weiteren Verwendungen für die Kakaofrucht getüftelt: Seifen, Cremes, Wein, Likör, Schnaps, Dünger, Tierfutter.

Am Ende trinken wir noch einen MILO-Kakao von Nestle und kaufen im Shop ein. Abends besuchen wir wieder
den Polizeiinspektor. Er laedt uns auf eine Cola ins obere Stockwerk der Polizeistation ein.

Samstag 30. Mai.
Gestern wurde Mercy operiert. Wir hoffen das der spanische Chirurg gute Arbeit geleistet hat. Neben den Ärzten
ist ein weiterer Mann während der Operation von grosser Bedeutung, der "Engineer". Er ist gelernter  Elektroingenieur.  Er sprintet los wenn, wie während Mercys Operation geschehen, der Strom ausfällt. Er startet
dann den Stromgenerator. Wie in Afrika üblich hat das Spital keine Küche. So müssen die Patienten von einem
Familienmitglied mit Essen versorgt werden. Krankendiät gibt es nicht. Die Männerabteilung ist Abends voller
Frauen die ihre Männer, Söhne und Brüder besuchen und verköstigen. Auf der Frauenstation ist es sehr ruhig. Da
bin ich wohl eine kleine Auflockerung des langweiligen Patientenalltages. Heute morgen brachte eine
Krankenschwester einen halben Kubikmeter Kleider auf die Station. Auch eine schöne Abwechslung, Kleider
anprobieren, beurteilen, Preis aushandeln. Unser  Spaziergang führt uns an der "Saviour Church" vorbei. Der
Hauptgottesdienst findet hier am Samstag statt. Menschen strömen zum Eingang. Sonderbar, die Männer tragen
lange weisse Gewänder wie wir es von Arabern kennen. Und auch wie bei einer Mosche werden die Schuhe vor
betreten der Kirche ausgezogen. Zuoberst auf dem Kirchenturm ragen zwei symbolische, gekreuzte Schlüssel in den Himmel. Ich seh nirgends ein Kreuz.
Sonntag 31. Mai.
Ich wurde darauf aufmerksam gemacht das ich recht haeufig ueber fuer uns Schweizer sonderbare und schwer nachvollziehbare Begebenheiten berichte. Da fragt sich wohl mancher, warum geht er den ueberhaupt nach Afrika. Das frag ich mich manchmal auch. Ich habe diese Frage auch Weissen gestellt die in Afrika leben. Haeufig wird dann zuerst etwas ratlos eingeatmet bevor eine Antwort kommt. Manchmal kann man sein Tun ja auch schlecht begründen. Das schöne und positive an Afrika ist für mich schwerer zu beschreiben als das was nicht funktioniert oder rueckständig ist. Wir sind ja Bürger einer effizienten und technisierten Gesellschaft. Ich als Mechaniker im besonderen. Afrika hat seine Stärken klar nicht auf diesem Gebiet. Und so stosse ich mit meinem Mechaniker- und Hauswartblick alltäglich auf schwer verständliches. Religionen und Sekten haben mich seit meiner Jugend interessiert. Ich habe die Ansichten von Bhagwan, Hubbard (Dianetik) und anderen nie verstanden. Und so hab ich auch mit diesen Pastoren im Geschaeftsanzug Muehe. Und so hab ich diese Themen wohl etwas häufig aufs Tapet gebracht. Aber es macht niemandem Freude nur das schlechte zu lesen. So moechte ich versuchen jetzt mehr das positive zu beschreiben.


Man sagt Halbwissen sei schlimmer als Nichtwissen. So betrachtet dürfte ich als kleines Mechanikerli gar nichts über Afrika verzapfen. Ich machs aber doch. Sagt es mir bitte wenn ich mich allzusehr lächerlich mache oder bösartiges schreibe.
Da ist eben diese Frage: Was zieht dich nach Afrika? Da bin ich jetzt vorsichtig. Ich kann zum Beispiel sagen, mir gefällt der Anblick von traditionellen Dörfern, mit Menschen die am Dorfbrunnen Wasser holen. Nun wird aber sofort jemand einwenden ich würde mich an der Armut der Menschen erfreuen. Aber wir sehen ja beim Wandern auch gerne alte verwitterte Häuser und Dorfbrunnen in ländlichen Gegenden. Es gefaellt uns. Es ist romantisch und übersichtlich. Versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht auf die Infrastrukturen und die Einrichtungen die unser Leben angenehmer und sicherer machen verzichten. Und alle Menschen möchten diesen Wohlstand zurecht auch genissen. Aber manchmal liesst man ja, das auf unserem Weg dahin etwas verloren ging.
Da gibt es einen interessanten Eintrag im Wikipedia Lexikon: "Einfaches Leben (engl. "Simple living") oder Freiwillige Einfachheit (engl. "Voluntary simplicity") bezeichnen einen Lebensstil, der sich als Alternative und Regulativ zur Überflussgesellschaft sieht."
"...Richtet das Augenmerk auf einen einfachen, genügsamen und ausgewogenen Lebensrhythmus abseits des konsumorientierten "American way of life....".
"Besitz, Konsum und die eigene Anspruchshaltung werden besonders kritisch hinterfragt. Erfüllung und entspannte Lebensfreude werden in wenigen, einfachen, meist kostenlosen Dingen und Betätigungen".
Es gibt also die Meinung das ein einfaches, genügsames Leben auch erstrebenswert sein kann. In Afrika, von Ausnahmen abgesehen, ist das Leben einfach und die Menschen müssen genügsam sein. Das kann dann idylisch aussehen und gefällt uns Reisenden. Frau mit Baby am Rücken und Wasserkanister auf dem Kopf. Ist aber nicht frei gewählt. Solange alle gesund sind geht das ja noch. Im reicheren Westen befasst man sich also mit den Kehrseiten unseres "Erfolgsystemes" während Afrika endlich mal die Sonnenseite davon kennenlernen möchte.
Warum nach Afrika?
- Kindheitsfernseherlebnisse: Hatari, Daktari, Tarzan.
- Jugendleseerlebnisse: Hemingway´s Ostafrikageschichten, Joseph Conrads "Herz der Finsternis". Geo Hefte.
- Filme: Mogambo, African Queen
- Die Fotoalben und 8mm Filme von der Schiffsweltreise meiner Mutter.
- Ein Onkel in Australien der mir bei seinen wenigen Besuchen Münzen aus fernen Ländern schenkte.
- Ein Cousin der noch fernere Länder mit beinahe Null Geld erkundete.
- Während der Berufslehre das lesen der Zeitschrift "DAS MOTORRAD" mit ihren Berichten über abenteuerliche Töffreisen.
- Seltene Fernsehbilder von der Rallye Paris-Dakar.
- Weil man Afrika recht einfach per Töff erreichen kann.

Was mir an Afrika gefällt:
- Das noch nicht alle grösseren Wildtiere aufgegessen sind.
- Wüste, Savanne, Regenwälder.
- Menschen die ihre Gedanken und Gefühle  zeigen.
- Das man schnell ins Gespräch kommt.
- Das Kleider bunt sein dürfen.
- Das immer irgend etwas interessant ist.
- Das man selber interessant ist.
- Das es so anders ist.
- Das die regierenden auch Afrikaner sind. Süd- und Nordamerika sowie Australien werden ja eher von Nachfahren europäischer Einwanderer dominiert bzw. regiert.
- Das einem kleine Kinder "Musungu", "Tubabu" oder "Obruni" nachrufen ("weisser Mann/Frau").
- Das auch in Millionenstädten Hühner und Ziegen herumspazieren.
- Das keiner einen "Lätsch" macht.
- Das 99,999% hilfsbereit sind.
- Das meistens von irgendwoher gute Musik zu hören ist (Das auch meistens die Lautsprecher klirren find ich weniger schön).
Jetzt wollt ich grad schreiben wie schön das es sein kann wenn in einer Stadt einmal der Strom ausfällt und man wieder alle Sterne sieht. Und grad in dem Moment fliesst wieder Strom. Rundherum jubeln die Kinder. Den Firmen und Handwerkern nützt es jetzt nach Feierabend nicht mehr viel. Die hätten
den Strom am Tag gebraucht.
Aber ich will ja ab jetzt die schönen Dinge beschreiben.
 

Montag 1. Juni.
Der  "Engineer" (Seine richtigen Vornamen sind John und Kwaku, aber alle rufen ihn "Engineer") ermöglicht mir bei einem Cocoa Erntetag dabei zu sein. Wir marschieren zum Haus seines Bruders der eine grosse Cocoafarm besitzt und auch Pastor der "Saviour Church" ist. Die Helfer sind extra für diesen Tag zusammen gekommen. Lohn gibt’s keinen. Er ist ihr Pastor. Es sei so das wenn jemand ein finanzielles Anliegen hätte, dann wende er sich an den Pastor um Hilfe. Auch würde der Pastor vielen Jugendlichen die Schule finanzieren. Nach kurzer Fahrt im Pick-up erreichen wir einen der Sammelplätze auf dem Farmgelände. Dazu gehört ein Wohnhaus mit Ziehbrunnen, die Fermentierungseinrichtung, ein Kochhaus und die Tische zum Bohnen trocknen.

Hier wohnt eine der fünf Familien die sich um die Bäume kümmern. Fünf solcher Plätze sind auf der Farm verteilt. Mehrere Männer schlagen mit Macheten überzählige Äste ab. Der Kakaobaum verträgt nicht zuviel Sonne. So stehen alle paar Meter hohe Laubbäume, vereinzelt auch Bananenstauden. Die Cocoabäume lassen nur wenig Sonne durch, so ist das arbeiten recht angenehm.



Die Helfer sitzen um die schon zusammengetragenen Früchte.



Die Schale wird mit der Machete aufgetrennt.



Mit den Fingern werden die fruchtfleischumhülten Bohnen herausgerissen.

In geflochtenen Körben werden die Bohnen zur Fermentieranlage getragen.





Schnell ist so ein gelber Cocoaberg abgearbeitet. Dann zieht die Gruppe zum nächsten Haufen. Am Nachmittag isst man gemeinsam bei der Sammelstelle.



Über dem Feuer wurde Reis, Fufu und "Plantain" (Kochbananen) gekocht. Dazu gibt’s Fisch in Tomatensauce. Nach getaner Arbeit klettern wir auf den Lastwagen und fahren zurück ins Dorf.

Für mich war dieser Ausflug ein tolles Erlebnis.

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21. Mai 2009 4 21 /05 /Mai /2009 16:34

Ja, ich hatte viel in meinen Pocket-PC geschrieben in den letzten Wochen. Irgendwo auf dem Weg ins Internetcafe hat sich die Worddatei selbst zerstoert. So gibt's halt Foetili mit wenig Kommentar.

Das ist noch ein Wahlplakat aus dem letzten Jahr. Er waer auch gerne Praesident geworden. Seine Parteikolleggen die in der Vorgaengerregierung sassen machen immer noch negative Schlagzeilen. Als Regierungsmitglieder standen ihnen Fahrzeuge des Staates zu. Nun nach verlorener Wahl wollen sie diese Autos nicht zurueckgeben.
 

Das ist schon gut wenn das den Buergern mal erklaert wird. Viele der koerperlich oder geistig Behinderten Menschen leben ja auf der Strasse.
 

Und damit man nicht von einer als Behinderte getarnten Hexe verzaubert werden kann sucht man besser fruehzeitig fachmaennischen Rat.

Eine Hausfassade bei uns im Quartier Labadi. Gefaellt mir einfach.


Beinahe so wichtig wie die Religion ist das Fussballspiel. Bei einem wichtigen Spiel der englischen Meisterschaft hoert man die Jubelschrei von allen Seiten. Ganz wie bei uns wenn eine suedlaendische Mannschaft bei der Weltmeisterschaft ein Tor schiesst.


Ja, eben. Das was  sich hier Christentum nennt. Hier ein Plakat der "Action Chapel International". Ich sah noch keine Kirche die nicht "International" ist. Ist ja klar. Jesus war kein Ghanaer. Es gibt den Witz ueber diese Gier nach allem internationalem. Geht ein Politiker zum Arzt. Der will ihm eine lokale Betaeubung verabreichen. Nein, ruft der Politiker. I want not local, i want international!


Anfangs klebt man noch Plakate an Urinoirs um seine Anhaengerschaft zu vergroessern.

 

Spaeter reichts dann fuer Plakate die jeder sieht. Hier die "Power miracle chaple international". Das ist nicht nur so ein name. Der Pastor, Bishop, Prophet vollbringt wirkliche Wunder! Da ist Jesus gleich ein Amateur dagegen. Auch fuer persoenliche Konsultationen steht der Pastor zur Verfuegung. Schon so manchem Ratsuchenden wurde mitgeteilt das fuer seine Probleme die Mutter verantwortlich sei. Die sei naehmlich eine Hexe und lasse alles misslingen das er anpacke.



Hier die naechste Kapele. Mit Internationalem extra Oel!
 

Und das ist die "Kapele":

 

 Man prueft die internationalen Angebote das darniederliegende Eisenbahnnetz zu sanieren.

 

Wir sind dann auch mal per Bus in den Norden Ghanas gereist. Der klimatisierte Car faehrt zuegig durchs Land. Manchmal versuchte der Fahrer einen nigerianischen Film abzuspielen. Ein paar Stops ermoeglichen den Reisenden sich zu verpflegen.


Wir besuchten den Mole Nationalpark. Die Bungalowanlage liegt etwas erhoeht. Von diesem Sitzplatz aus kann man wunderbar eine Wasserstelle ueberblicken. Elefanten, Warzenschweine und einige Antilopenarten tumeln sich um den Teich voller Wasser und Krokodile.

Wir kennen ja die eindruecklichen Zeitlupenaufnahmen jenes Tierfilmes wo die armen Hartebeast in grossen Herden einen Fluss durchqueren. Und die Krokodile schnappen sich dann die Ungluecklichen an der Schnauze und ziehen sie unter Wasser, etc. etc. Hier im Molepark geht man zu Fuss auf Safari. Steht mit dem Fuehrer am Wasser und bestaunt die Krokodilsaugen 2 Meter vor sich. Nee, da muessten wir keine Angst haben. Die Krokos wuerden uns nichts tun. Der Mann ist schon seit ueber dreissig Jahren im Park angestellt. So vertrauen wir ihm.


Ja eben, dreissig Jahre im Dienst. Die Flinte wohl schon etwas laenger. Er weiss genau wie nahe man an die Tiere heran darf. Auch erkennt er wohin die Elefanten wollen und das man ihnen auf ihrer Tour nicht ueber den Weg laufen soll.


Nee mir hams jetzt kei Zeit stehn zbleibe, mir ham da drueben was zu tun.
 











Von Tamale, der Stadt die dem Mole Nationalpark am naechsten liegt, war es dann nicht mehr so weit bis nach Paga. Die Grenzstadt im Norden hat seit Jahrhunderten einen kleinen See mit circa 200 heiligen Krokodilen. Ein grosser Krieger aus vergangener Zeit war auf der Flucht vor seinen Feinden. Die Gegner im Nacken, ein Fluss voller Krokodile vor sich. Eines der Krokodile nahm ihn auf seinen Ruecken und fuehrte ihn sicher ueber den Fluss und in Sicherheit. Als Dank dafuer, stellt er alle Krokodile in seinem Herschaftsbereich unter absoluten Schutz. Und so machen auch heute noch die Krokodile Ausfluege ins Dorf. Da man annimmt das in ihnen die Geister der Verstorbenen leben, hat man auch keine Angst vor ihnen.


Hier sieht man im Hintergrund Zaunmasten aus Zement. Der Drahtzaun.





Vom hohen Norden sind wir dann in einer 14 Stunden Fahrt zurueck nach Accra gefahren. Dort ist ja jetzt unser neues Zuhause. Zwei Zimmer und Kueche. Kuebeldusche im Hof. WC im Quartier. Fliessend Wasser kommt aus dem weissen Fass (Wenn was drin ist). Die Waende sind frisch gestrichen und ein neuer Bodenbelag haben wir auch verlegt. Der Schreiner hat uns einen Korpus fabriziert und der Sanitaer einen Abfluss verlegt. Wenn dann die uebrigen Mobel hergestellt sind gibts noch mehr Fotos von den anderen Raeumen.

Durch die Suche nach einem passenden Bodenbelag hatten wir auch ein lehrreiches Erlebnis. Zwei Dinge muss ich wohl zuerst noch erklären. Erstens: Viele Waren kann man nicht nur in einem Geschäft kaufen. Beinahe überall sind auch fliegende Händler unterwegs. Häufig kann man von ihnen die Waren günstiger als in einem Laden erhalten. Zweitens: In Ghana scheint je nach Berufszweig noch das britische Masssystem üblich zu sein. So werden Bodenbeläge pro Yard verkauft. Hier zur Info wie das Aufgebaut ist:
1 yard = 3 Foot = 36 inch = 0,9144 Meter.
Unser Maasband zeigt Inch an. Also hab ich die Längen- und Breitenmasse der drei Räume in Inch aufgeschreiben. Auf dem dichtgedrängten Markt fanden wir bald einen jungen Mann mit Packen von "Novilon" auf dem Kopf. Eine ruhige Ecke um den Belag auszurollen, zu vermessen und zuzuschneiden fanden wir auch. Der Preis pro Yard wurde von Mercy vorab ausgehandelt. Der junge Mann mass den Belag aus. Die Bahn war mit 2 Yard zu schmal, also war die doppelte Länge nötig. Irgendwie kam ich beim messen mit meinem Massband zu viel grösseren Stücken als der junge Händler. Schon recht genervt nahm ich dem Händler sein Massband aus der Hand und verglich es mit meinem. Inch gibt’s ja nicht verschiedene. Verblüfft erkannte ich das aus dem Massband Stücke herausgeschnitten waren. Nach dem zusammenleimen war sein Yard um einiges kürzer als es sein soll. Mercy stellte den Mann zur Rede. Sofort blieben Passanten stehen. Und was mich beeindruckt hat, sie schauten nicht bloss zu. Die versuche des Mannes sich herauzureden wurden mit Gelächter beantwortet. Er solle das Geld sofort wieder rausrücken. Zwei Männer standen neben ihm um ihn nicht auf falsche Ideen kommen zu lassen. Das gefällt mir hier. Wenn in der Öffentlichkeit etwas vorfällt dann schauen die Leute nicht schräg auf die andere Seite und hasten vorbei sondern bleiben stehen und fragen was los ist. Um diese Erfahrung reicher kauften wir unseren Belag schliesslich in einem indischen Warenhaus. Mercy erzählte unser Erlebnis dann Abends den Nachbarn. Ja der Markt sei ein Ort an dem man hellwach sein müsse. Aber so ein Ereignis ist ganz klar eine Ausnahme. Die Märkte sind voller Händlerinnen und Händlern die ehrlich ihre Geschäfte abwickeln. Mancher der tagtäglich in Hitze und Abgasen seine geschälten Orangen anbietet, hätte es als Dieb wohl leichter. Ich frage Mercy dann manchmal, wieviele Cedis am Abend so als Verdienst bleiben. Für viele Menschen die am Strassenrand etwas feilbieten ist allerdings erst tief in der Nacht Feierabend. Am zähesten scheinen mir die fliegenden Strassenhändler zu sein die wirklich auf der Autostrasse ihren Waren verkaufen. Vor wichtigen Kreuzungen staut sich immer viel Verkehr. In den Gassen zwischen Autos, Busen und Lastwagen gehen oder rennen sie auf und ab. Immer auf der Hut vor breiten Fahrzeugen und Motorradfahrern die sich in den gleichen Gassen vobeizwängen. Alles was man zum Leben braucht oder einem grad gefällt kann man so durchs Autofenster kaufen. Ebenfalls an den Kreuzungen versuchen Behinderte etwas Geld zu erhalten. Die Blinden am Stock, geführt von einem Kind. Am bedrückensten
sind die Querschnittgelähmten die im Schneidersitz auf einem Wägelchen zwischen den Autos herumkurven. Das Wägelchen ist aus einem Rollschuh (Die alten 2-spurigen) gebaut. Der Schuh wird durch ein kleines Brettchen ersetzt, angegeben wird von Hand mit zwei Flip-Flops (Badeschlarpen) als Schutz. Knapp auf der Höhe des Türgriffes oder des russenden LKW Auspuffes versuchen sie mit einem "Hello Boss" etwas Aufmerksamkeit zu gewinnen.


Es gibt ja diese Geschichte ueber das Entstehen des Liedes "Wonderful tonight" von Eric Clapton. Er sei unzufrieden herumgesessen weil seine Frau sich nicht entscheiden konnte welches Kleid sie fuer einen Anlass am Abend anziehen sollte. So geht es auch mir manchmal wenn Mercy stundenlang mit ihren Haaren beschaeftigt ist. Aber das Ergebnis ist jedesmal atemberaubend und das Warten wert.


Es ist ja gerade in alten eingefahrenen Beziehungen oft so, das man sich die Zuneigung nicht mehr so oft wie in der hitzigen Anfangszeit zeigt. Und da mich mein schlechtes Gewissen schon seit laengerer Zeit plagte, entschloss ich mich, meinem geliebten Toeff wieder mal etwas Aufmerksamkeit zu schenken.

Ausflug nach Asamankase
Ein Besuch fuehrte uns nach Asamankase, einer kleinen Stadt etwas ausserhalb von Accra.






Auf dem Markt. Diese Haendlerin verkauft unter Anderem geraeucherten Fisch.






Auf dem Weg zu einem Kraeuterdoktor kamen wir bei einer Frau vorbei die Garri roestete. Garri wird aus Kasava (Einem Knollengewaechs) hergestellt.


Bei uns im Quartier entstand dieses Foto. Der Mann mit der Schubkarre verkauft Kokosnuesse. Fuer 40 Rappen schlagt er sie auf. Der kunde trinks die Nuss aus und gibt sie dem man zurueck, der halbiert die Nuss. Mit einem stueck der Schale wird das weissefruchtfleisch herausgeloeffelt. Wenn der tag gut ist, hat er am Abend die Schubkarre voller Schalenresten. Die Frau neben ihm verkauft gebratenen Fisch.


Auf dem Makola Markt in Accra findet man so ziemlich alles. So auch Stoffe. Schneider haben in Afrika noch alle Haende voll zu tun. So kauften auch wir viel Stoff. Und Mercys Bruder hat mir dann super Hemden geschneidert. Hier kann es nicht farbenpraechtig genug sein.
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24. März 2009 2 24 /03 /März /2009 15:21

Freetown: Auch gleich um die Ecke zu Hause, die UNO.

Donnerstag 19. März

Ausflug in den Outamba-Kilimi Nationalpark im Nordwesten. Um 5 Uhr aufgestanden. Im Dunkeln zum Roundabout gestrauchelt. Sammeltaxi Richtung Stadt. Super Musik. Warten auf das Nächste. Menschen sind unterwegs im Dunkeln. Weit vorne erhellen zwei Strassenlampen die Szene. Am östlichen Ende der Stadt stehen die Toyotabuse (Poda-Poda genannt mit Platz für ca. 19 Personen) und Sammeltaxis die nach Makeni fahren. 8 Meilen vor Makeni ist der Benzintank leer. Während wir warten, Unterhalten wir uns über Politik. Auf dem hektischen Bushof in Makeni langes warten im Poda-Poda bis der letzte Platz belegt ist.
Die lange Pistenfahrt staubig aber abwechslungsreich. Überall wird gehalten, ein- und ausgestiegen, ein- und ausgeladen. Verkäufer reichen Essen, Getränke, Kolanüsse etc. durchs Fenster.

Jeweils etwas vor den Police Check-Points (Erkennbar an einer Schnur die quer über die Piste gespannt ist) springen die 2 Dachpassagiere ab, passieren die Polizisten zu Fuss und klettern dann wieder aufs Dach. Dachfahren ist nämlich verboten. In Kamakwie dann hektisch essen kaufen (Im Park gibt’s nichts zu essen).

Töfflitaxi schnappen und ab in den Busch. Drei Radausbauten später erreichten wir das Camp am Rande des Nationalparks. Einen Plattfuss an einem chinesischem Motorradschlauch mit chinesischen Flicken und Leim zu reparieren führt nie (!) beim ersten Versuch zum Erfolg. Das ist Teil der "Sufferness" Afrikas, sich mit chinesischem Schund begnügen zu müssen. Dafür erklingt aus dem Motorrad nach drehen des Zündschlüssels eine fröhliche Melodie. Nach Hüttenbezug und Kübeldusche werden wir von drei Engländerinnen zum Bier eingeladen. Ihre beiden einheimischen Fahrer erklären uns später das eine der Frauen Deputy High Commishener Grossbritaniens sei. Aha, darum die Diplomatennummernschilder. Das Buschfeuer, von den Bauern entfacht, kommt immer näher.

Schulhaus im Busch:

Freitag 20. März.

Ja doch, ein paar Affen und Vögel waren hoch oben in den Bäumen zu sehen. Per Kanu zu den Flusspferden war auch OK.


Samstag 21. März.

Während der Rückfahrt mit einem Poda-Pada genannten Büschen wird die erste Zwangspause durch einen Plattfuss und die zweite durch eine herausgefallene Radachse verursacht. Der Fahrer und seine zwei Helfer erwiesen sich als fähige Mechaniker. Nach einer halben Stunde ist die Radachse wieder an ihrem Platz, weiter geht’s.

In Makeni umsteigen in ein Taxi. Vorne und hinten je 4 Personen. Und das in einem normalen PW! Besonders der Passagier der mit dem Fahrer zusammensitzt muss wissen wie er seine Arme und Füsse richtig faltet.


Auffallend viele Mangobäume. Hügelige Landschaft mit Reisfeldern in den Senken. Kleine Shops von Diamantenaufkäufern.

Sonntag 22. März.
Das Staedchen Kabala im Norden. Von einem Huegel aus betrachtet:


Zwei Jungen bei einer Felskante beim Holzabwurf:

Abend in Kabala.

Draussen vor dem Guesthouse, sitzen wir auf Plastikstühlen und versuchen im Schein der 40 Watt Glühbirne das Leben im Quartier zu ergründen. Die Nachbarn flanieren vorbei, Kinder springen herum. Die Hühner sind schon schlafen gegangen. Wenn ein Motorrad wendet und die Häuser erhellt, sieht man das überall Menschen auf den Veranden sitzen. Die Moskitos ignorieren das Antimoskitomittel grosszügig. Die sind da nicht so heikel. Und alles voller Mangobäume. Da kommt mir das Lied in den Sinn das Ursula Andress damals im Film "James Bond Dr. No." trällerte: "Under the Mango Tree". Drei Kinder lugen hinter einem Pick-up hervor und studieren uns. Aus den Boxen blubbert wieder mal Reggae. In dem Provinzstädchen Kabala gibts zwei Guesthouses, Paygay´s sei das bessere. Der Generator liefert die ganze Nacht Strom. Weisse Geschäftsleute unterhalten sich leise mit lokalen Partnern. NGO Leute kommen auf ein Bierchen vorbei und drei Prostituierte warten vergebens auf Kundschaft.

 

Montag 24. Maerz.

Rueckfahrt nach Freetown. Die dominierende lokale Sprache  ist Krio. Die Sprache der ehemaligen Sklaven in den USA. Durch den hohen Anteil an englischen Woertern koennte man es fast verstehen:

Ausflug zu einer Station die sich um Schimpansen kuemmert.
Bei der Jagd nach "Bushmeat" werden die Jungen der erlegten Eltern eingefangen und als Haustiere verkauft. Nun werden solche Tiere beschlagnahmt und in dieser Station gepflegt. Theoretisch sollen sie wieder ausgewildert werden.


Es gibt sie wirklich diese drei Affen "Nichts sehen - Nichts hoeren - Nichts sagen".


"Hallo, ja Du. Schalt doch mal den Strom ab an diesem nervigen Zaun"




In der Hauptstadt kann man recht teure Fruechte kaufen. Auf dem Land oft schwer zu finden.

Samstag 28. März.


Sierra Leone ist bekannt für seine Strände. Am Strand von Lakka mit seinen drei Bungalowanlagen (Total wohl kaum mehr als 12 Zimmer) trifft man interessante Gäste. Keine Touristen sondern Weisse die im Land arbeiten. Einer davon ist der englische Verteidiger des ranghöchsten Rebellenkomandanten des Bürgerkrieges. Er hat seinen Arbeitsplatz für ein paar Tage an den Strand verlegt.

Am zweiten Tag kommt noch ein Ehepaar dazu. Sie sind vor 40 Jahren von Deutschland ins Welschland gezogen. Vor einigen Jahren haben sie hier in der Provinz ein Spital mit 100 Betten aufgebaut. Das Spital wird durch Spendengelder finanziert.

Irgendwann kommt man dann auf das weitverbreitete Lügen, Betruegen und Klauen zu sprechen. Die Magie (Eines meiner Lieblingsthemen) hilft dann häufig bei der Suche des Schuldigen. Um die Fähigkeit eines Zauberdoktors zu testen wird dann z.Bsp. eine Münze auf dem Grundstück vergraben. Der Möchte-gern-Ermittler muss dann zuerst die Münze finden. Eine Zauberin hätte da mal zwei Wochen vergebens gesucht...  Ein deutscher Rentner erklärte mir wie so eine Prüfung ablaufen kann. Die Verdächtigten hätten einen Kreis bilden müssen in dessen Mitte eine Aluschale am Boden stand. Nach Beschwörungen des Magiers sei die Schale vom Boden an den Bauch des Diebes gesprungen! Er hätte es mit eigenen Augen gesehen. Ihm seien alle Haare zu Berge gestanden. Wenn durch Prüfungen aller Verdächtigten der Schuldige nicht gefunden werden kann, bleibt als letztes Mittel die Androhung oder tatsächliche Verfluchungen des unbekannten Täters. Der Fluch kann auch auf die ganze Familie ausgeweitet werden.  Aus den Zeitungen ist ein Fall bekannt wo am Ende sieben Familienmitglieder an Krankheiten starben. Die Bestohlene und der Magier der das sterben hätten stoppen können waren trotz Zeitungsaufruf nicht auffindbar.

Heute ist viel los am Strand. Ein Schulausflug dominiert mit lauter Musik und Gejohle. Grüppchen ziehen herum, flirten, provozieren. R&B, Rap, Techno. Jungs in qoolen Kleidern, Mädchen schwingen sexy ihren Hintern. Die Strandhändler bringen Kokosnüsse und Nüsschen. Allen geht’s gut. Und dann humpelt ein kleiner Junge der Kinderlähmung hat vorbei. Ein Holzstecken als Stütze, das linke Bein und die linke Hand verkrüpelt. Im Sand kommt er nur schwerfällig voran. Fast alle haben es lustig.

 

 

 

1.April 2009 http://www.ssldf.com

Wir besuchen Harald Pfeiffer in Makeni. Ihn haben wir ja in Lakka, am Strand kennengelernt. Er zeigt uns das Spital das er aufgebaut hat. Alles steht sauber da. Es kaemme einem nicht in den Sinn welche Energie und Ausdauer noetig war und immer noch ist um diesen Traum zu realisieren. Ich frage Harald woher er ueber all die Jahre die Kraft erhielt um nicht einfach den ganzen Bettel hinzuschmeissen. Er zeigte nur mit dem Finger nach oben zum Himmel. Schwierigkeiten gibts ja genug. Das Klima ist ermuedend. Behoerden helfen nicht sondern stellen Vorderungen. Geldgeber  denken manchmal wer-zahlt-der-befiehlt. Personal stiehlt. Baufirmen machen uebertreuerte Offerten. Und wenns dann fertig ist kommen auch gerne "wichtige" Leute wie der Staatspraesident oder David Beckham zu Besuch:
http://www.ssldf.com/news.htm 
Ich habe ein paar Ausfluege im Land unternommen. Ich bin an vielen Siedlungen vorbeigefahren. Das Leben spielt sich ja meistens im freien ab. Manchmal sah ich Menschen mit Kinderlaehmung. Aber alles-in-allem koennte man von der Strasse aus betrachtet denken das das Leben hier zwar karg aber ertraeglich ist. Aber etwas weiter hinten im Busch, da sterben Kinder an Unterernaehrung. Man sagt zwar "seeing is beleving", aber ein paar statistische Zahlen bringen einem machmal mehr bei.
Wir uebernachten im nahegelegenen Motel. Und siehe da. Wir erhalten das Zimmer 204 in dem Mr. Beckham genaechtigt hat! Das Bett strahlt schon etwas aus. Und erst das sitzen auf der Toilette die schon der grosse Fussballstar benutzt hat, aah.

 

Der geneigte Besucher beachte bitte unten links die Flip-Flops.Es liegt ja nahe das auch sie von "ihm" benutzt wurden.

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18. März 2009 3 18 /03 /März /2009 16:02

Zurueck in Ghana treffe ich Mercy. Sie arbeitet bei einer suedafrikanischen Sicherheitsfirma und ist bei der nigerianischen Botschaft unter anderem dafuer zustaendig das kein mittelloser Nigerianer  das Botschaftsgelaende erreicht. Ich lernte sie kennen als wir das Visa fuer die weiterreise nach Nigeria beantragten. Sie hat sich zwischenzeitlich waerend der Arbeit das Armgelenkt verletzt. Der Arbeitgeber weigert sich Lohn zu zahlen. Selber schuld.


Freitag 20. Februar

Neulich beim Frühstück sahen wir eine Eidechse hinter dem Moskitogitter eines Fensters. Sie war also im Raum drinnen, bewegte sich nicht und war anderntags wieder (oder immer noch ) an der selben Stelle.  Diese Eidechsen sieht man wirklich überall. Mercy erzählte mir das Eidechsen spirituelle Tiere seien. Man sage, das sie mit dem Schwanz dreimal an eine Wand schlagen, um  durch die Wand gehen zu können. Das erklärt die Anwesenheit dieser Tierchen in absolut verschlossenen Räumen. Wir hören von einem Bekannten der seinen (ca. 30 Jahte alten) Bruder zu Besuch hatte. Während diesen Tagen ist der Bruder erkrankt und unerwartet schnell im Spital verstorben. Nun weiss dieser Mann das er seiner Familie erklären muss weshalb der Bruder bei ihm gestorben ist. Bei Unglücken wird davon ausgegangen das Magie im Spiel ist und die Suche nach dem Schuldigen wird aufgenommen. Das erinnert mich an jene Familie deren Gast ich in Guinea war. Eine Tochter hatte als junges Mädchen Leukämie. Unabhängig voneinander stellten zwei christliche Prediger bei Gebeten am Krankenbett fest das die Patientin verhext wurde! Und zwar von ihrer eigenen Tante. Diese stritt das zwar ab, aber ihr Ehemann gab es später auf dem Sterbebett zu. Also ein klarer Fall. Etwas weniger klar ist für mich die Gefahr die von behinderten Menschen ausgeht. In islamischen Gegenden gehört es ja zur religiöse Pflicht Almosen zu geben. In Guinea sah ich einen Bettler ohne Beine. Er sas bei einer Fussgängerüberführung. Ich fragte meine Begleiterin, eben jene Frau die als Kind Leukämie hatte, welcher Betrag als Almosen für diesen Mann angebracht sei. Eindringlich riet sie mir dafon ab solchen Leuten Geld zu geben. Häufig seien die mit den Kräften der Unterwelt verbunden und könnten einem dann das ganze Vermögen durch Magie entziehen. Ich hab bis heute mehrere Personen um ihre Meinung gefragt. Alle bestätigten mir das und rieten mir ab, Geld zu geben.

Montag 23.2.

Erste Töffreise mit Mercy. Der Küste entlang bis Cape Coast, dann nach Norden zum Kakum Nationalpark. Auf dem Weg noch bei einem Krokodilpark reingeschaut. Ich habs geahnt. Das müde Krokodil das mit überteuerten Innereien gefüttert wird wars auch nicht wert. Im Kakum Park gibt’s Spaziergänge im Regenwald mit Seilbrücken und Vögeln zu bestaunen. Wir melden uns für den Rundgang ab 5.30 Uhr morgens an. Beim eindunkeln verabschiedet sich die ganze Belegschaft. Gäste hats sonst keine mehr und so unterhalten wir uns mit dem Nachtwächter. Er geht uns im Dorf per Velo zwei Bier holen. Natürlich gibt’s wieder keine kleinen Flaschen. Mercy und der Nachtwächter erzählen Geschichten von Affen die Mädchen vergewaltigen und Zwergen die Babies entführen. Aus dem Wald hören wir sonderbare Schreie. Naja, morgen werden wir mehr wissen.

Dienstag 24.2.

Der Wald ist da, die versprochenen Vögel und die erhofften Affen nicht. Was solls. Zurück in Cape Coast nehmen wir an einer Führung durch die alte Festung teil. Sklavenhandel und so. Während der Weiterfahrt sehen wir einen Platz voller Zuckerrohrstangen. Der Geruch macht alles klar, hier wird Schnaps gebrannt.

Die Zuckerrohrstangen werden durch eine Walzenpresse geführt.

Der Saft gärt dann 16 Tage in Fässern. Danach wird der Alkohol über einem Feuer aus Bambusstangen herausdestilliert.

Wir übernachten im kleinen Fischerdörfchen Busua.

Mittwoch 25.2.

Vom Frühstückstisch am Strand schauen wir 4 Fischern und 5 Kindern zu, die eines der schweren hölzernen Fischerboote ins Wasser bringen. Die Szene wird durch die Hintergrundmusik so richtig originell. Aus den Lautsprechern des Strandrestaurants heult Countrymusik, schätzungsweise aus den 40er oder 50er Jahren. Im nächsten Dorf lass ich noch Batteriewasser am Töff nachfüllen. Unterwegs Richtung Norden kommen wir an vielen Plantagen mit Ölpalmen und Gummibäumen vorbei. Neben der Strasse sehen wir wie Palmöl gewonnen wird.

 



Palmöl Gewinnung:

- Palmfrucht kochen.

- In Maschine shredern um ölhaltiges Fruchtfleisch vom Kern zu lösen.

- Geschrederte Frucht auspressen.


- Öl mit Kräutern und Zwiebeln aufkochen und nach erkalten abfüllen.


Palmkernöl Gewinnung:

- Ausgepresstes Fruchtfleisch an der Sonne trocknen.

- Getrocknetes Fruchtfleisch durch Sieben von den Nüssen trennen.

- Nüsse rösten und danach shredern

- Kerne von Schalenresten trennen und zermahlen.

- Kernpulver erwärmen und Öl abschöpfen.

- Palmkernöl erkalten lassen und abfüllen.

 


Kurz danach besichtigen wir eine Ölpalmenplantage deren Besitzer auch noch Palmschnaps brennt.



Nach ca. 40 Jahren der Nutzung wird die Ölpalme gefällt. An ihrem oberen Ende wird ein Loch gehackt aus dem dann bis zu drei Wochen lang täglich ca. 4 Liter Saft austritt. Dieser Saft vergärt dann in Fässern zu Palmwein. Daraus kann dann durch destillation noch Schnaps gebrannt werden. Gegen Abend passieren wir noch einen Ort wo Männer auf eigene Rechnung Gold abbauen.





 Tatsächlich, eine Schaufel zu Sand gemahlener Kies wird mit Wasser ausgespühlt und schon sieht man da und dort Gold glänzen.

Beginnender Regenfall lässt uns ins nächste Dorf flüchten. Schnell unter ein Wellblechdach, das Gewitter ist übel. Kinder duschen unter Regenrinnen.

Freitag 6.3.09

Heute ist der 52. Jahrestag der Unabhängigkeit Ghanas von Grossbritanien. Wir fahren an einen Strand ausserhalb Accras. Da aus aufgestapelten Lautsprechern Musik klirrt kostet es 3 Cedi Eintritt. Eine Gruppe Frauen mit T-Shirt´s einer Kirche (Pentecost, Pfingstgemeinde) ist freudig am vorbereiten ihres Strandausfluges. Einige wippen im Takt von Lil Wayne´s "Lollipop" (she lick´s me like a lollipop...). Am Strand wird Fussball gespielt, Kinder baden und etwas weiter weg verrichtet eine alte Frau ihre Notdurft. Einige ältere Frauen stehen am Wasser, oben-ohne. Ein Loch ist gegraben. Eine Zeremonie. Hat etwas mit Witwen und traditionellem Glauben zu tun. Beim relaxen im Bungalow schauen wir etwas fernsehen. Nationales TV. Eine Aufzeichnung eines Gottesdienstes einer dieser unzähligen eigenartigen christlichen Kirchen. Tausende hören in einem Stadion dem Pastor zu. Ein halbes Dutzend Frauen und Männer werden zum Pastor geführt. Sie erzählen wie sie durch des Pastors und Gottes Hilfe von ihren Leiden geheilt wurden. Stume können wieder reden, Blinde sehen und Lahme gehen. Zum Schluss versetzt sie der Pastor durch eine leichte Berührung in Ohnmacht. Wunder geschehen live am TV! Diese Kirchen nennen sich "Winners Chapel" oder "Action Chapel International".






Sonntag 15.3.09

Ich besuche einen schwedischen Fussballtrainer in Sierra Leone. Kenia-Airways fliegt mich zum Lungi Airport der durch eine Bucht von Freetown getrennt ist. Der Einreisestempel ist schnell im Pass, das Zahlenschloss am Koffer ist verwürgt, aha. Freetown erreicht man vom Flughafen per Taxi in 7-8 Stunden. Per Helikopter für 100$ in wenigen Minuten. Bleibt noch Hoovercraft, Autofähre und Motorboot. Wir kaufen Tickets für die Autofähre. Pech gehabt, die kommende Fähre sei für den Präsidenten reserviert. Nach 3 Stunden legt die nächste an.

Voll mit Supportern des Präsidenten. Ein Mercedes Reisecar demoliert sich Front und Heck an den zu schrägen Abfahrrampen.  Autos und Menschen überall. Die Fähre legt ab, kämpft gegen den Wind. Drinnen sorgen ein CD Verkäufer mit seiner Musikanlage und zwei Clowns für Unterhaltung.

Ankunft im dunkeln. Scheinwerfer blenden. Autos beleuchten die Masse, schieben Menschen zur Seite. Ich spüre eine Hand in meiner Hosentasche, packe zu. Der Dieb macht unschuldige, grosse Augen. Glück gehabt, die Kameratasche war auch schon offen! Wir streiten um ein Taxi. Alle Strassen sind verstopft. Wieder muss der Präsident als Schuldiger herhalten. Um 22 Uhr erreichen wir das Hotel. Mehr als 6 Stunden vom Flughafen bis in die Stadt sind schon recht übel. That´s africa: Chaotisch, ineffizient, laut, staubig.

 

 

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28. Januar 2009 3 28 /01 /Januar /2009 13:54

5.Januar 2009 Freetown, Sierra Leone.

Wikipedia:

·         1787 errichteten britische Philanthropen für befreite Sklaven die Niederlassung Freetown, die 1808 britische Kronkolonie wurde. Am 27. April 1961 erhielt das Land die Unabhängigkeit im Rahmen des Commonwealth.

·         Die ehemalige britische Kolonie belegt seit Jahren den letzten Platz auf der Liste des UNDP, gleichbedeutend mit dem Status des am wenigsten entwickelten von 177 untersuchten Ländern. Nach einem Jahrzehnt blutigen Bürgerkrieges ist das Land nun mit seinem Wiederaufbau und der Aufarbeitung der jüngeren Geschichte beschäftigt.

Aufgewacht mit verspanntem Rücken. Liegt wohl am Ventilator der die ganze Nacht warme Luft herumbläst. Apropos Ventilator. Synchron zur Helligkeit der Glühbierne verändert er seine Drehzahl. Da ich ja ein neugieriger Mensch bin, messe ich die Netzspannung an der Steckdose. Gemäss Länderinfo hat Sierra Leone 230 Volt Netzspannung. Davon "tröpfeln" hier nur zwischen 130-170 Volt aus den Leitungen! Aha, im Unterschied zu  Conacry wo der Strom stundenweise "fliesst", wird in Freetown der ganze Strom gleichmässig über die 24 Stunden verteilt. Und so rattert überall dort wo´s wichtig ist ein Benzingenerator. Neben der 1x1 meter grossen Nigeria-Sopaopera Verleihbarake oder  vor der einzigen Bank im Land mit Visa Bankomat. Der Generator, so gross wie ein LKW Motor raucht und hämmert direkt neben dem Eingang zur Bankfiliale. Mein Interesse gilt dem ATM. Nach 600´000 Leons ist Schluss. Aha, drinnen wird am Gerät gearbeitet. Nach einer Stunde hab ich meine 1,2 Millionen.

Donnerstag 8.1.

Nach der gestrigen Abreise aus Freetown und dem entäuschenden Besuch einer Flussinsel mit der "höchsten Konzentration von Primaten" (ein Affe für 4 Sekunden in 50 Meter Entfernung gesehen) versuch ich noch den Grenzübertritt nach Liberia zu schaffen.

 Die Piste ist voller ausgetrockneter Wasserlöcher und das dauernde rauf und runter, oder links und rechts vorbeifahren braucht seine Zeit. So komm ich erst um Vier Uhr an der Grenze an. Die vorgelagerten Checkpoints der Polizei mit den freundlich aber bestimmt ein Geschenk einfordernden Polizisten sind nichts neues. Der Trick mit Zigaretten funktioniert nur beim zweiten Posten. Der erste Polizist erklärte mir das rauchen
ungesund sei, er jedoch immer Hunger hätte. Auf dem grossen Polizeiposten an der Grenze kann ich auch gleich meine 500´000 Leons in 10´000 Libertis wechseln. Zwei freundliche Polizisten machen aus vielen 5er, 10er, 20er und nur wenigen 50er und 100er Noten schöne 100er Bündel die dann zu 1000er Packen gestapelt werden. Wohin bloss mit all dem Papier? Customs ist schnell erledigt. Immigration auch, nun ist es schon Fünf. Eine Polizistin rät mir, heute noch hier zu schlafen. Ich bin schnell überzeugt. Das Guesthouse für umgerechnet 3,5 Dollar ist den Preis wert. Sogar mein Motorrad wird in einem grossen Saal eingeschlossen. Nach Dusche und dem vertelefonieren des Guthabens der SIM Karte (funktioniert in Liberia nicht) schliss ich mich drei Diamantenhändlern an die unterwegs zu einem Essensstand sind. Sie logieren im gleichen Guesthouse wie ich. Später komme ich mit einem Polizisten ins Gespräch der nach Feierabend im Laden eines Freundes aushilft. Er gibt den Lohn eines Polizisten mit 250´000 Leons an. Diesen Betrag hab ich auch schon gehört, könnte also richtig sein. Das wären dann 83 $ Monatslohn. Gearbeitet wird sieben (!) Tage die Woche von 7.45 - 15.00 Uhr.

Einreise Liberia


Montag 12. Januar

Nach zwei Tagen auf einem Campingplatz am Meer nun schon unterwegs in die Elfenbeinküste.

 Harald und Adisa, er Baden-Würthenberger, sie Liberianerin haben einen traumhaften Platz für ihren Camping ausgesucht. Nun muss nur noch Liberia als Ferienziel entdeckt werden. Noch wird das Land von der kriegerischen Vergangenheit belastet.

Überall sieht man die weissen Fahrzeuge der UNMIL (
United Nations Mission in Liberia) des IKRK und vieler Hilfswerke. An wichtigen Verkehrpunkten stehen Blauhelmsoldaten. An den Camps der Uno sieht man welche Länder sich an der UNMIL beteiligen: Pakistan, Bangladesh, Bulgarien, Nigeria, Äthiopien. Grosse Tafeln belehren die Menschen über Malaria, Hände waschen, Kindsmisshandlung, Vergewaltigung, Recht zu wählen, Steuern zahlen, Landbesitz, AIDS, bessere Zukunft, Schulbildung etc.

Ich übernachte in einem Guesthouse in Sanniquelli, dem Geburtsort der OAU. 

13. Januar

Die Piste zur Grenze ist voller ausgetrockneter Wasserlöcher und ein ewiges auf und nieder.

 Die Ausreiseformalitäten sind schnell erledigt. Restliche "Libertis" in Franc CFA umgetauscht. Unter den interessierten Blicken der UNO Soldaten aus Bangladesh holpere ich über die Holzbrücke in die Cote d´Ivoire. Dort stehen junge Männer in T-Shirt und Trainerhosen vor dem Grenzposten.

 Sie gehören zur "Nouvelle Force" die gegen die Regierung im Süden gekämpft haben. Zurzeit ist alles ruhig, mein Pass inspiziert, die Anzahl Gänge sowie der Tankinhalt meines Töff mitgeteilt und so kutschiere ich freudig staubig dem nächsten Checkpoint entgegen. Hier beginnt aufs neue das bisher meist angenehme Zusammentreffen mit den Vertretern der Macht im Land. Ich soll mich in der nächstgrösseren Stadt "presenté a la police". Das tu ich und bin nun offiziell eingereist. Aha, auch die Marokkaner haben der UNO Soldaten gestellt.

14. Januar, Yamousoukro


Wenn ihr mal in der Nähe seit, dann besucht doch d
ie Basilika Notre-Dame-de-la-Paix in Yamoussoukro. Sie ist das größte Kirchengebäude der Christenheit. Mit dem Kreuz auf der Kuppel ist der Bau 158 Meter hoch.

Für mich schon der zweite Besuch. Das Vorbild im Vatikan (Den Petersdom) hab ich noch nie gesehen. Eigentlich schon etwas peinlich. Zügig geht’s danach weiter Richtung Abidjan. Über 100 km sogar auf zweispuriger richtunggetrennter Schnellstrasse. Autobahn wäre das falsche Wort. Den obschon neuere Limousinen (BMW halt) mit 150 Sachen vorbeiziehen, sind doch am Strassenrand Bauern mit Bananen und Holz auf Kopf und Velo unterwegs. Vor der Millionenstadt Abidjan frag ich einen jungen Gendarm wie ich am besten durch die Lagunenstadt durchfahre.


15.Januar.

Nach einer Nacht in Grand Bassam, einem Städchen das für einige Jahre Sitz der französischen Kolionialverwaltung war, ist  Ghana angesagt. So gefällt es mir: Bankomat mit PLUS Symbol schon 50 m nach der Grenze. Abends dann in Elmina geniesse ich nach über 18 Jahren mein erstes Bierchen in Ghana!

Wikipedia: "Elmina wurde 1482 als portugiesisches Fort und erster europäischer Militär- und Handelsstützpunkt südlich der Sahara angelegt."
Nach einigen Auseinandersetzungen war der Pachtvertrag mit dem lokalen Ashanti Koenigreich dann in den haenden der Briten. Diese kauften dann den Ashanti Afrikaner ab die diese unter anderem im Norden entfuehrten. Bezahlt wurde dann auch mit Waffen.



Einzelzelle fuer renitente Sklaven auf der linken Seite. Jene fuer weisse Soldaten auf der rechten Seite. Beachte die Luft- und Lichtzufuhr durch das Tor! Die Maueroeffnung geht nur in die Soldatenarestzelle. Die Zelle Links hat in der Regel keiner lebend verlassen.



23. Januar.

Nun bin ich seit einer Woche auf einem Campingplatz am Meer vor Accra. Vor ein paar Tagen sind meine Reisekameraden angekommen. Wir werden zusammen weiterreisen. Ich bin froh darüber. Das Visum für Nigeria haben wir in der Tasche. Ebenso das "Visa Touristique Entente" für Togo, Benin, Burkina und Niger. Die hiessige Angola Botschaft gibt sich der inoffiziellen Visapolitik entsprechend Abweisend. Alle Transafrikareisenden mit eigenem Fahrzeug haben das gleiche Problem. DR Congo hat Ebola und keine passablen Strassen mehr. Und Angola "mauert" mit unnötig komplizierten Visavorgaben. Ideen von umschiffen bis überfliegen machen die Runde (600$ für ein Auto in einem russischen Transportflugzeug).

27. Januar

Wir sind seit zwei Nächten im Gästehaus einer deutschen Palmölfirma einquartiert. Wir warten noch auf unsere Reifen die per Seefracht unterwegs sind. Das Haus ist in einer Neusiedlung mit dem schrecklichen Namen "Comunity 18". Es gibt weit und breit keine Läden oder Restaurants. So verbringen wir viel Zeit im einige Autobahnkilometer entfernten klimatisierten Shoppingcenter. Hier sind die Menschen schön, auch schön angezogen, gehen elegant an Schaufenstern von Sony und Swatch vorbei und trinken richtigen Bohnencafe aus Porzellantassen. Hier gibt’s das "Busy-Internet" (Mail, Blog, Angolaproblem recherchieren), einen akzeptablen Do-it-yourself (Schmierspray, Eisenstange zum Ersatzreifenträger basteln), Apotheke (zum Malaria-Hammer-Medi poschten), Klinik für Malariatest und Läden für Käse(!), Yogurt und Wurst.

Und was noch zwischendurch so los war.

Die Reifen sind dann nach langer (Fuer Afrika wohl normaler) Wartezeit angekommen und durch den Zoll gebracht. Ich muss noch auf Geld warten, meine Reisekameraden fahren schon weiter. "Also bis dann in Togo!" Ich warte noch eine Nacht dann fraess ich hinterher. Schnell eine Roeschti bei “Chez Alice” in Lome (Togo) runterschletzen. Hier war ich schon 1991 zu Gast. Ich hab mir lange ausgemalt wie es sein wird wenn ich nach so vielen Jahren wieder dort reinschaue. Nicht das es damals ein grosses Erlebnis war, aber es sind fuer mich besondere Momente. Nun kann ich nicht bleiben, muss den Rueckstand aufholen. Als ich abfahre bin ich den Traenen nahe. Also gleich weiter nach Benin und Richtung Norden.

Via SMS versuchen wir den Treffpunkt abzumachen. Kommen die Nachrichten auch an? An einem wichtigen Kreuzungspunkt frag ich die Menschen ob sie hier weisse Motorradfahrer gesehen haetten. Ja, heute sei einer vorbeigekommen, haette etwas getrunken und sei dann weiter auf der Piste Richtung Nigeria. Ja, ein dunkelroter Tank und links uns rechts Zylinder. Aha, eine unserer BMW. Also ist schon einer vorausgefahren? Wo sind die anderen? Versuche anzurufen. Keine Antwort. Fahre den anderen entgegen. Wieviele Kilometer waren das gestern und heute? Von Ghana via Togo nach Benin, das halbe Land hoch. Komme gegen Abend in einem Staedchen an.

 Ja, hier seien Weisse mit Motorraedern gewesen. Die seien aber weitergefahren. Ich glaubs nicht. Also jetzt zuerst mal etwas trinken und ein Bett suchen. Spaeter dann ein paar SMS hin und her. Nun mag ich nicht mehr. Ich hab die Freude an dieser Art mit dem Motorrad zu reisen verloren. Der Bruch ist endgueltig. Schuldige gibts nicht, es ist einfach so wie es ist. Und meistens merkt man spaeter das es so schon recht gekommen ist. Anderntags ueberquer ich wieder die Grenze zu Togo. Fahr das Land runter.





Bleib ein paar Naechte bei “Alice” in Lome. Was sie ueber Voodoo zu erzaehlen hat ist schon verwirrend. Der Feticheur hat ihr noch jeden Diebstahl in den letzten dreissig Jahren aufgeklaert. Ein besonderes Land, hier seh ich Frauen stehend am Strassenrand pinkeln. Das ist Emanzipation! Ich mach wieder ein Visa fuer Ghana. Ich besuch das Internetcafe. Aha ein Mail von unseren deutschen Gastgebern in Accra. Was wir so machen und wo wir schon seien. Nach meiner Antwort das ich jetzt allein unterwegs bin und wieder nach Ghana zurueckfahre erhalte ich einen Telefonanruf. “Komm doch wieder ins Haus in Tema, kein Problem, wir freuen uns”. Das tut mir gut.

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2. Januar 2009 5 02 /01 /Januar /2009 14:22

Einreise nach Guinea:
Der Praesident im Zollhaus:


Waehrend dem Einkauf auf dem markt eines kleinen Ortes sorgten unsere Motorraeder fuer einen Volksauflauf. Wir kamen mit einer Ladenbesitzerin ins Gespraech. Nach den nordafrikanischen, moslemischen Laendern mit ihren verschleierten Frauen viel mir die kunstvoll gestaltete Frisur dieser Frau natuerlich auf.


Um doch noch etwas Offroad zu fahren waehlten wir eine Abkuerzung ueber Land. Waehrend einer Rast in einem Dorf  unterhielten wir uns mit einigen Bewohnern.





Bei einem Markt:

Dienstag 16.12 Tränen

Ich habe mich von meinen Reisekameraden getrennt. Ich wollte meistens langsamer reisen und mehr ansehen als die Mehrheit der Gruppe. Ich kann nicht ein Jahr lang an so vielen spannenden Orten nur vorbeifahren. Das scheitern liegt in der Luft. Abends im Hotel mit einer Frau aus Frankreich gesprochen. Sie arbeitet seit zwei Jahren in einem einfachen Spital nahe der Hauptstadt. Sie behandeln Mütter und ihre Kinder. Eine Geburtsabteilung hätten sie auch. Sie hat ein schlechtes Gewissen weil ihre paar Tage "Ferien" hier in den kühlen Bergen soviel kosten wie die Aufbaunahrung eines Monates für einen Säugling. In den staatlichen Spitälern sei es so, das die Patienten, um behandelt zu werden, immer Schmiergelder zahlen müssten.
Mittwoch 17.12
Kurven ohne Ende im hügeligen "Fouta Djalon". Hier sehe ich sogar Föhrenwälder. Schaue mir einen kleinen Wasserfall an. In der Nähe ist ein Wasserkraftwerk mit 4 Turbinen. Die zwei Techniker freuen sich über die Abwechslung und führen mich durch den Kommando- und den Maschinenraum. Wieder zurück im Hotel komme ich mit dem Manager ins Gespräch. Erzähle von meinen Sierra Leone und Liberiaplänen. Er schreibt mir sofort ein Empfehlungsschreiben für einen Freund von ihm. Dieser arbeite im Ministerium für Sicherheit. Dieser könne mir behilflich sein.






Donnerstag 18.12
Super ausgerüstet mit einer Anfahrtsskizze (Jawohl, auch hier hat der Hoteldirektor zu Bleistift und Papier gegriffen) erreiche ich, ausnahmsweise ohne mich zu verirren, die 3-Millionen Hauptstadt Conacry. Das Hotelzimmer ist ein dunkles Loch. In Guinea fliesst Strom erst ab 18 Uhr um dann gleich wieder auszufallen. Dann starten überall die privaten Generatoren. Will mir was gutes tun und suche ein gutes vietnamesisches Restaurant auf. Die Einrichtung ist Stilvoll. Viel Rot, Seide, Lampions, Drachen, Lackmöbel. Die männlichen guineischen Angestellten fühlen sich in ihren vietnamesischen Seidengewändern sichtlich unwohl. Die weiblichen Angestellten tragen enge rote Seidenkleider im Stil der 40er Jahre. Der Strom fällt fünf mal aus. So beginnt auch der CD Spieler 5 mal von vorne. Sanfte Liebeslieder. Und so passt Chris de Burgs "Lady in Red" perfekt zu den roten Seidenkleidern. Meine Melancholie steigt auf neuen Höchststand. Suche durch die dunkle steinige Gasse den Weg zur Hauptstrasse.

Freitag 19.12.08

Stehe früh auf, wechsle das Hotel und marschiere zur nahe gelegenen Botschaft von Sierra Leone. Dort lerne ich Tampa kennen. Als Flüchtling nach Guinea gekommen. Er hat die Fröhlichkeit und Ausstrahlung eines jungen Will Smith. Er nimmt sich meiner Sache an, scheint den Konsul persönlich zu kennen, und bringt mit seinem Charme und meinen $ den ganzen Visaprozess in ein paar Stunden über die Bühne. Da heute Freitag ist hetzen wir zwischendurch zur liberianischen Botschaft. Dort erklärt man uns folgendes: Visa kostet 100$, auf ein Bankkonto einzuzahlen, 2 Fotos, einen persönlichen Brief an den Botschafter in dem zu erklären ist weshalb er mir ein Visa erteilen soll. Das daure ca. eine Woche. Und es gäbe wirklich keinen Weg das schneller zu machen. Tampa bringt den Konsul dazu uns den Brief zu schreiben. Und auch das Geld müssen wir nicht selber einbezahlen. Einige Telefonanrufe und Schmeicheleien später haben wir auch das Visa für Liberia im Pass. Zurück im Hotel hole ich meine Sachen und ziehe zu Freunden von Tampa um. Eine Mutter mit 4 Töchtern, einem Enkel und einem Hausangestellten. Der Ehemann, ein Engländer, wurde während dem Krieg in Sierra Leone getötet. Abends schauen noch drei junge Männer vorbei. Und spät Abends kommt noch eine Frau mit Tochter zum schlafen dazu. Es läuft eine nigerianische Soap. Mit viel Ungerechtigkeiten und Streit. Viel zu laut, die Boxen scherbeln (Gäll René, das känsch au).

Montag 22.12.08
Ich fühle mich wie die Titelfigur in Josephs Conrad´s Roman "Almayers Wahn". Die Hitze dämpft den Tatendrang. Die Tage vergehen mit sinnlosem Tun. Die Dinge entgleiten. Die Töchter der Familie haben Schulferien. Seit zwei Tagen werden Wände neu gemalt. Sie täten dies immer vor Weihnachten. Ansonsten liegt man meistens herum. Gestern gabs Strom ab 18.00. Heute erst ab 24.00. Wasser gibt’s auch nur stundenweise. Dann werden Kanister gefüllt zum trinken, kochen, WC spühlen und waschen. Guinea besitzt 30% der weltweiten Bauxitvorräte (Aluminiumrohstoff) und auch sonst viele Bodenschätze. Aber den Menschen geht es schlechter als in ärmeren Nachbarländern. Wir schauen eine nigerianische Soap auf einem Labtop. Vor dem Filmende ist der Aku zu Ende. Zwischendurch gibt’s unreife, grüne Mangos mit Salz und Bouillonpaste bestrichen. Das wirkt sich ähnlich aus wie der Biss in eine Zitrone.


Dienstag 23.12.08
Nun ist es offiziell. Der schon vielfach totgesagte Präsident von Guinea ist gestorben. Die Menschen haben entweder ein Natel oder einen Batterieradio am Ohr. Hätt ich doch gestern Benzin getankt! Alle Tankstellen sind geschlossen. Die Armeeführung hatt das Parlament aufgelöst und die Verfassung ausserkraft gesetzt. Das liesst man ja manchmal so. Nun geschiet es dort wo ich bin. Lastwagen mit Militär und Polizei jagen auf dem Boulevard vorbei. Die Passanten jubeln. Zwei Panzer rasseln vorbei, einer bleibt mit Kühlerschaden stehen. Nachmittags erfahren wir das die Grenze geschlossen ist. Man wolle verhindern das gewisse Minister sich ins Ausland absetzen. Nicht alle Militäreinheiten seien mit dem Coup einverstanden.


Donnerstag 25.12
Das Elektrizitätswerk ist so gnädig und macht den Menschen im Quartier ein Geschenk: Strom schon am Morgen! Aus den Nachbarhöfen hören wir Jubelrufe als unerwartet das Licht angeht. Weihnachtsgeschenke gibt’s aus Geldmangel keine. Ich schenke der Familie eine geflochtene Sitzgruppe (870´000 Fr.G.)

Freitag 26.12.
Nachmittags machen wir Abschiedsfotos. Der Präsident wird heute beerdigt. Dem Bürger wird angeraten Abends im Haus zu bleiben. Soldaten würden Salutschüsse für den Verstorbenen abgeben. Als Abends Schüsse im Quartier zu hören sind verkriechen wir uns in den Korridor in der Hausmitte. Am Boden sitzend erzählt man sich Geschichten von Bekannten bei denen schon Kugeln das Hausdach durchschlugen.


Samstag 27.12
Ich verlasse nur ungern diese gastfreundliche Familie. Der Grenzübertritt geht schnell. 8500 Guineafranc sind 5000 Leons (Sierra Leone). Und was ist das ungefähr in €? Die Piste ist wunderbar staubig und ausgefahren. Schon bald hat mich der von Autos und LKW´s aufgewierbelte Staub rot eingefärbt. Immer wieder unterhaltsam sind die Blicke von Receptionisten in Hotels, wenn man so verdreckt nach einem Zimmer fragt. Natürlich geht die Orange SIM-Card von Guinea nicht mehr. Also schnell eine Celltel SIM-Card von Sierra Leone gekauft. 2,5€ kostet so was.

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